Ein Stimmungsbild

Wir wollten ans Meer fahren, weil wir schon lange nicht mehr irgendwo hingefahren sind. Dann lasen wir, dass Travemünde gerade für Tagestouristen gesperrt werden soll, also ist es da vermutlich sehr voll, also fuhren wir da nicht hin. Wir dachten über das andere Meer nach, aber da stimmte an dem Tag etwas mit der Autobahn nicht. Wir dachten über Seen nach, aber da hätten wir erst die richtigen Stellen suchen müssen und sowieso wollten die Söhne gar nicht mit dem Auto fahren, sondern, was weiß ich, lieber irgendwo hingebeamt werden. So klar artikuliert wurde das nicht, aber Sie kennen das, viel Anspruch und wenig Lösungsbereitschaft, Kinder sind auch nur Menschen.

Wir fuhren an den Eichbaumsee, zu dem Parkplatz, der zwischen dem See und der Dove-Elbe liegt, wobei es schon anstrengend ist, den Namen Dove-Elbe auch nur zu denken, ohne den ersten Teil Englisch zu lautieren, aber dafür kann das Gewässer jetzt nichts. Wir gingen da längs, rechts die Dove-Elbe, links der Eichbaumsee. Die Sonne schien, strahlendes Wetter, ich fand alles doof. Der See war langweilig, das Elbstück auch. Hätte es genebelt, hätte es Raureif gegeben, Schnee und Eis oder Gewitterwolken, hätten wir einen Sonnenauf- oder untergang gesehen, irgendwas mit Kawumm und Pomp, hätte, hätte, Fahrradkette, ich fand alles doof. Links ein Wasser, rechts ein Wasser, in der Mitte geht der Hasser. Wie vermutlich viele Menschen habe ich im Moment ungewohnt große Lust, irgendwo zu sein, wo ich nicht schon alles in Grund und Boden gewohnt habe, aber das hier, das war gerade nicht richtig, das merkte ich gleich.

Menschen gingen um den See und gingen also im Kreis, warum geht man in der Freizeit im Kreis, was soll das eigentlich. Man kommt nirgendwo hin, man hat sich nur bewegt, wie schwach und flach ist das. Wir machten eine Pause und tranken mitgebrachten Kinderpunsch, der hatte natürlich keinen Alkohol. Ich stellte mir lebhaft Alkohol vor, ich trank mir im Geiste die Gegend schön. Ich war mir im Grunde sicher, die Gegend ist da schön, es lag einigermaßen nahe, dass alles nur an mir lag. Das Wasser links war okay, das Wasser rechts war okay, ich hätte auch zum Augenblicke sagen können, verweile doch, du bist okay, so sagt man das nämlich heute. Ich sagte es aber nicht. Ich wäre gerne woanders gewesen, ich wusste nicht wo. Um mich herum redeten die Spaziergänger ihre nervtötenden Alltagsgespräche, ich hätte gerne Ruhe gehabt und sie dann nicht ausgehalten.

Ein Sohn erzählte mir die Handlung einer siebenbändigen Mangareihe, ich hätte mich interessieren sollen. Er hätte auch in einer obskuren Fremdsprache reden können, ich verstand eh kein Wort. Was für eine Handlung war das, sind denn wirklich alle irre oder was, warum lesen die Kinder so einen Schrott.

Der andere Sohn wollte über Superhelden reden, ich dachte Hulk und spannte die kaum vorhandenen Brustmuskeln an.

„Ist das ein Badesee?“, fragte ein Sohn. „Das ist ein Blaualgensee“, sagte ich. „Und Zerkarien gibt es auch.“ Das stand auf einem Schild, gewusst hätte ich das nicht, wer weiß so etwas schon. Zerkarien, nie gehört. Saugwürmer unter der Haut, man hat ja sonst keine Probleme.

Wir trafen die Menschen wieder, die wir schon einmal gesehen hatten. Ich fand es abstoßend dumm, dass alle im Kreis gingen, ich ging aber selber auch im Kreis, wie geht man sonst um einen See. Überhaupt kreist alles, die Literatur ist voll davon, die Philosophie und die Religionen auch, da kannste nix machen. Man kommt überall wieder vorbei, an allen Stationen, immer wieder, und nur dann, wenn man ganz viel Glück hat, nur dann ist es eine Spirale und man ist ein Stückchen höher als beim letzten Mal. Aber wenn man nur um einen See geht, dann müsste man sich schon während der Runde seelisch bedeutend weiterentwickeln, um irgendwie verändert wieder am Parkplatz anzukommen, dann müsste man schon zwischen zwei öffentlichen Mülleimern ein wenig erleuchtet werden, das ist eine knappe Sache. Viel wahrscheinlicher ist es, dass man einfach so wieder am Parkplatz ankommt und nur in der Zeit etwas fortgeschritten ist.

Am Parkplatz kamen wir also an, wo wir uns vor dem Einsteigen den Schlamm von den Stiefeln klopften und dann nach Hause fuhren. Die Herzdame sagte, wir könnten da doch wieder hinfahren, so irgendwann mal. Es sei ja ganz schön da. Ich dachte, sie wird schon Recht haben, sie hat ja auch sonst ungewöhnlich oft Recht und ich gab ein Knurren von mir, das vielleicht nach einem Ja klang.

Man soll seine Stimmungen auch nicht überbewerten.

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Links am Morgen

Ein neuer Film mit einer Handlung, die man ganz gut kennt. Klingt dennoch interessant.

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Wir sind alle müde

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Zehn Tipps, mit denen Sie den Fortschritt garantiert an die Wand fahren

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Verwaltungsweihnachtslieder. Apropos Weihnachtslieder, wir brauchen auch dringend eine klimawandelbedingte Neubetextung der deutschen Klassiker, in der wir das weiße Zeug loswerden, das zumindest in Norddeutschland einfach nicht mehr fallen wird. Schneeflöckchen, Weißröckchen, von wegen, tempi passati. Regentröpfchen, Grauröckchen, da ist noch viel lyrische Arbeit zu leisten. 

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15 Minuten über die göttliche Sarah Vaughan (Audio)

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15 Minuten über Phil Ochs (Audio). Phil Ochs, den hatte ich hier schon, Sie erinnern sich vielleicht auch daran, mit When I’m gone, einem wahren Killersong. Heute aber der hier, auch grandios: Changes. 

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Und hier noch ein neuer, geradezu weihnachtsmilder Erfahrungsbericht zum Thema Homeschooling in Hamburg.

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Die Gewürzgurkenaussicht

Man kann wenig machen, also haben wir die Söhne zu täglichen Spaziergängen oder zu kleinen Radtouren verdonnert, Jugend braucht Bewegung. Also im Grunde brauche ich die, aber man muss pädagogisch gute Absichten vortäuschen, wo immer man nur kann. 

Wir fuhren heute in die Hafencity, wo Sohn II mit seinem Mountainbike Sachen machte, bei denen die Herzdame lieber nicht hinsah und der Sohn in Erinnerung an unsere früheren Touren zu zweit endlich einmal den schönen Satz sagte: “Mit Papa ist das kein Problem.” Habe ich dieses Erfolgserlebnis auch einmal eingesammelt. Aber darum geht es nicht.

Es geht um dieses Foto, gucken Sie mal. 

 

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Ein Beitrag geteilt von maximilian buddenbohm (@buddenbohm)

Das Bild habe ich auf dem Weg von einer Brücke aus gemacht, die Baakenhafenbrücke war es, wenn ich das richtig im Kopf habe. Kurz hingeguckt, spontan gebremst und abgedrückt, die Aussicht sah irgendwie so nach Instagram aus. Auch Sohn II hielt, guckte hin und fand dann eine Definition für diesen Bildausschnitt, die ich sowohl mit Ihnen als auch mit seinem Einverständnis teilen möchte, sie ist nämlich ebenso schön wie sinnig: “Das ist eine Gewürzgurkenaussicht”, so sagte er. “Das ist schön und hässlich zugleich. Und so ähnlich ist es ja bei Gewürzgurken auch, die sind lecker und grässlich zugleich. Man kriegt es nicht genau heraus und isst mehr oder guckt mehr hin.”

So ist es wohl. In diesem Sinne werden ich die Hafencity vielleicht nur noch als Gewürzgurkensiedlung bezeichnen. Das macht sie auch gleich etwas bodenständiger, was ihr gewiss nicht schaden kann.  

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Ein Dankesfilmchen

Ich habe zu danken – für ein Notizbuch der Marke Leuchtturm in XXL. Und ich freue mich sehr, denn die Größe hatte ich noch nicht und ich habe gerne, Freak der ich bin, alle nur denkbaren Größen und Formen von Notizbüchern vorrätig. Was weiß ich denn, wonach mir morgen der Sinn steht. Wenn ich morgen Größe möchte, Größe ist jetzt verfügbar, das ist schön und gut zu wissen, das beruhigt ungemein.

Ich habe außerdem, apropos Dank, den Trinkgeldbericht November noch nicht geschrieben, ich weiß. Den werde ich mit dem Dezember zusammenfassen und in, nun ja, Kürze posten. Es ist alles ein wenig schwierig gerade, wie Sie vielleicht bemerkt haben, auch das Timing. Vor allem das Timing. Aber nichts wird vergessen. 

Normalerweise, also gemäß eher jüngerer Tradition, poste ich hier bei Geschenksendungen Dankespostkarten, allerdings ist das gerade am heftigsten nachglühende Bild von gestern zweifellos als Standbild schwer darstellbar. Daher gibt es hier jetzt ausnahmsweise eine Filmsequenz, sagen wir etwa vier Sekunden lang. Vier Sekunden Film passen auf keine Karte, auch nicht auf diese seltsame doppeltbelichtete Variante, die ein Bewegtbild darstellt, wenn man sie etwas hin und her wackelt. Sie erinnern sich vielleicht? Ich weiß noch, als diese Karten neu waren, da haben wir die alle gekauft und immer hin und her bewegt, das ist aus heutiger Sicht schon fast rührend, nicht wahr. Wir hatten ja nichts.

Es war später Abend, für meine Verhältnisse war es sogar ungewöhnlich später Abend, es war bereits nach elf Uhr. Da schlafe ich normalerweise schon stundenlang, aber gestern ging ich da noch einmal vor die Tür. Erstens gab es stimmungsmäßig Anlass dazu, besser mal eine Stunde durch die Gegend zu laufen, zweitens aber hatte ich auch im Laufe des Tages zu wenig gesehen, also nur die Wohnung, und das reicht mir manchmal nicht. Ich ging ziellos durch die dunklen und downgelockten Straßen. Ich ging durch die eigentliche Szenestraße des kleinen Bahnhofsviertels. Diese Straße war vollkommen menschenleer, es waren nur meine Schritte zu hören. Ich sah in die eine und dann in die andere Richtung, da war außer mir niemand. Ich blieb stehen und lauschte, da war nichts. Das muss man auf dieser Straße erst einmal hinbekommen, dachte ich, das gibt es wirklich verdammt selten. In normalen Zeiten gibt es das auch nachts um drei nicht. Dann hielt ein Taxi und ein Mensch stieg aus, dann kamen zwei aus einem Hauseingang und unterhielten sich dabei leise, dann war es kurz wieder so, dass zumindest alle zwanzig oder dreißig Meter etwas zu sehen oder zu hören war, auch wenn das immer noch wenig war für die Mitte der Millionenstadt. 

In einem Döner-Imbiss standen zwei hinter der Theke und sahen so unmenschlich gründlich gelangweilt aus, diese entgleisten Gesichter kennt man sonst nur von Bademeistern, die mit vollkommen leerem Blick am Beckenrand stehen. Die beiden Männer stützten sich auf die Glasplatte über dem zerschnippelten Gemüse und sahen in die Dunkelheit, aus der einfach keine Kunden kamen. Sie bewegten sich nicht und sie sprachen nicht. Sie standen da nur und guckten, wer weiß, wie lange schon und wie lange noch. Dieser Tag geht auch vorbei, sie hätten mein immer wieder beruhigendes Mantra murmeln können, aber sie murmelten gar nichts. Sie guckten nur ins Nichts der leeren Straße.

Ich las die Zettel an den Fenstern der Restaurants. Die Togo-Zettel, die Erklärungen, die Telefonnummern. Die Hinweise auf eilig eingerichtete Webseiten und Mailadressen und Lieferservicevarianten. Erreichbarkeitsdaten. “Im Falle eines Lockdowns” stand auf einem Zettel. “Wir sehen uns 2021” lapidar auf einem anderen. “Wir liefern!” Das riefen etliche Zettel. Aber zu dieser Tageszeit wartete längst niemand mehr auf Kundschaft, nur die beiden in der Dönerbude hielten noch aus. 

Einige der Läden, die jetzt wochenlang geschlossen sein werden, haben ihre Fenster nicht mehr beleuchtet, man spart, wo man kann. Im Licht der Straße gibt es neuerdings schwarze Löcher, Dunkelzonen. Man könnte sich hier und da in einen Hauseingang drücken und vollkommen unsichtbar werden. Wie in einem alten Film, wie in einem Krimi. So dachte ich und bekam zum ersten Mal seit vielen Jahren Lust auf eine Zigarette. Man müsste sich in einen Hauseingang drücken, dachte ich, man müsste sich dort anlehnen und eine Zigarette anzünden und auf etwas warten, auf jemanden warten. Und das Feuerzeug würde kurz Licht geben, und sonst wäre alles ringsum tiefschwarz. Ein paar Meter weiter die Lichter der Ampel, über die niemand geht, dann ein vorbeifahrender Bus, in dem sitzt nur noch der Fahrer. Dann kommt jemand, bleibt stehen und sagt einen Satz, und der ist dann eine richtig gute Dialogzeile, dass die in den Kinosesseln anerkennend nicken.

Und jetzt kommt der unglaubwürdige Teil. Aber was soll ich machen, so ist es manchmal. Während ich gedanklich also noch bei Raymond Chandler war, hielt ein Auto auf der anderen Straßenseite. Ein unspektakuläres Auto war das, ein mausgrauer Kleinwagen. Die Reifen quietschten, die Türen flogen auf. Der Wagen stand in einem ganz unorthodoxen Winkel zur Straße und ich dachte, weil ich sehr geistreich bin: “Da stimmt jetzt aber etwas nicht.” Dann liefen etwa acht Mann direkt auf mich zu. Das waren mehr, als in dem Auto gesessen haben konnten, und sie liefen schnell. So läuft man nur, wenn es wirklich um etwas geht, jedenfalls als erwachsener Mann in Zivilkleidung. Mein Hirn flackerte kurz Möglichkeiten durch und verwarf, dass es hier um mich gehen konnte. Ich habe nicht genug ausgefressen und besitze nicht genug, und während ich das noch dachte oder zumindest erhoffte, rannten die Männer schon links und rechts an mir vorbei, ohne mich weiter zu beachten. Ich stand mitten in der stürmenden Rotte, es war ein wenig so, als würde eine Horde Wildtiere um mich herum sprengen und ich bewegte mich lieber gar nicht mehr, ich stand da einfach nur. Und guckte, das schon.

Einer rief, es war wirklich lächerlich tatortmäßig, “Halt, Polizei!” und einer brüllte, dass die Ficker wegbleiben sollten und einer schrie Scheiße und einer sprang einem in den Rücken, dass der mit Schmerzensrufen zu Boden ging. Zwei kamen dazu und einer lief mit ordentlich Vorsprung weiter wie ein Hase, der war wirklich beeindruckend schnell und den kriegte keiner mehr. Der war schon ganz oben, wo die Straße in einen Platz übergeht und mehrere Straßen abzweigen. Der war weg, der war so etwas von weg. 

Der Mann auf dem Boden und der auf seinem Rücken brüllten sich an und tauschten Beleidigungen der eher wüsten Art, die anderen standen dabei und auf einmal waren etwa vier Mann in der Nacht verschwunden. Wo waren die jetzt wieder hin, das habe ich nicht gesehen. Aber ich ging dann auch lieber weiter, denn ich bin, wenn ich schon in einem Krimi lande, lieber etwas am Rand des Geschehens. Sagen wir, in einem Hauseingang.

Ich guckte noch einmal zurück. Die beiden Männer im Dönerimbiss hatten ihre Köpfe nach links gedreht, wo die Action war. Sonst haben sie sich nicht bewegt. Ich ging nach Hause, ich kaufte keine Zigaretten. Man hat sich ja soweit im Griff. 

Es ist Lockdown, es ist nicht allzu viel los draußen. Auf den ersten Blick nicht. 

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Links am Morgen

Eine Plattenkritik, es gibt ein neues Album von Paul McCartney. Rockdwown, auch ein schöner Begriff. Ich weiß gar nicht, hat jemand in diesem Jahr den Begriff Blogdown mit Leben gefüllt?

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Deutschland verarmt auch an Pflanzen.

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Der Märchenwald

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Ich habe für das Goethe-Institut einen Text darüber geschrieben, wie die Lage vor ganz kurzer Zeit noch war, es steht also auch drin, warum sie jetzt so ist, wie sie ist. Logisch. 

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Aus dem Gedränge, aus dem Korb

Nur ganz kurz. Am letzten Sonnabend war ich in der Innenstadt, also in der Gegend, die von Reiseführern und Touristen hier als Innenstadt verstanden wird. Ich gehe da ziemlich oft hin, oder eigentlich eher nur durch. Ich will da gar nichts, ich will nur Strecke machen, also gehe ich durch die Einkaufsstraßen zum Rathaus und zurück. So in etwa.

Ich habe dann später nachgelesen, in mehreren Hamburger Medien, dass die Stadt, gemeint war wieder die Innenstadt, an diesem Tag “mäßig voll” gewesen sei. Zitiert wurden da Menschen vom City-Management oder vom Einzelhandelsverband oder von Gott weiß was, ausgedrückt war jedenfalls nicht die Meinung einer Reporterin oder sonst eines Menschen, der da vor Ort war. Es war nur ein Zitat. 

Und es ist so – das stimmt nicht. Die Stadt war vielmehr knüppelvoll, pickepackevoll, bummsvoll. Sie haben vielleicht in Ihrem Dialekt oder in Ihrer Szenesprache auch einen handlichen Ausdruck dafür, wenn es vor Menschen nur so wimmelt und man sich unweigerlich auf die Pelle rückt, sicher haben Sie das. Sardinendosenvoll. 

Jetzt könnte man das natürlich auf die Stunde zurückführen, die ich da gesehen habe, vielleicht war es ja die einzige, in der es so voll war, der Rest des Tages war eher ruhig. Oder genau nur die eine Stelle war dermaßen voll! Nur immer da, wo ich gerade ging, da war was los. Na ja. Was man sich so vorstellen kann.

Hier bitte eine selbst ausgedachte und längere Medienkritik einfügen, auch gerne eine Klage über Reportermangel und kleingesparte Redaktionen, die sich nicht mehr um alles kümmern können, ich habe heute keine Zeit dafür. Aber: Passt schon. 

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Und hier noch ein Song der einen ganz wunderbaren Texteinstieg hat. Das ist ein schönes Bild, das mit dem Korb. So wollen wir es halten.



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Links am Morgen

Beton und Bio. Interessante Meldung, aber jetzt gucken wir erst einmal, wo vielleicht noch eine Autobahn fehlt. Oder ein Stadtviertel. Das ist wichtiger.

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Fast 500

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Die Pandemie verwandelt. (Ich erlebe das nicht ansatzweise so, die Pandemie fällt verschieden aus. Auch andere Perspektiven wahrnehmen! Das soll gut und wichtig und richtig sein. Was vermutlich auch stimmt.)

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Choose Life

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Vanessa ist währenddessen etwas ungehalten.

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Man kann sich in seinem Bücherregal einsargen lassen. Das erschien mir ebenso attraktiv wie praktisch. Upcycling als letzte Pointe, warum auch nicht, die Familie hier fand sofort: “Das passt doch zu dir.”

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Yasers Angst vor der Nacht. Es ist eine verdammte Schande, was da passiert. Und wo ich gestern gerade bei Tugend war – in keinem Handbüchlein der Moral würde man eine Stelle finden, die solche Zustände rechtfertigt. 

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Eine dünne Linie

Es wird dann auch wieder so sein, dass ich fürs Blog Zeit finden werde, doch, doch. Aber im Moment sieht es schlecht aus, dunkel und düster. All die zeitlichen Eckchen und Plätzchen, die ich früher zum Schreiben genutzt habe, sie sind besetzt, belagert und bedrängt, es ist eine wirklich seltsame Phase. Corona übrigens ist dabei nicht mein größtes Problem. Es ist nicht einmal unter den ersten drei Problemen 2020, so etwas gibt es auch. Corona ist bisher nur die Kulisse des Jahres, aber was für eine Kulisse das ist. 

Es gibt einen Bezug zwischen meinen nichtblogbaren Problemchen und Corona, glaube ich. Eine dünne Linie. Und zwar ist es so, ich möchte einen ersten resümierenden Gedanken zum Jahr äußern, auch wenn, wie die Blogkollegin sagt, die Ente hinten kackt, ein Satz übrigens, den ich auf Anhieb nicht verstanden habe, vor allem deswegen nicht, weil die Ente gar nicht ganz hinten kackt, sondern mehr im letzten Drittel. Eine Kuh kackt hinten, zumindest wenn man den Schwanz ignoriert. Eine Ente aber nicht. Egal. Wo war ich?

Bei der dünnen Linie. Und zwar hatte ich es in diesem Jahr in einem ganz ungewöhnlichen Ausmaß mit Menschen zu tun, die ihren Job aus meiner Sicht nicht richtig gemacht haben. In etlichen Zusammenhängen, ich rede dabei gar nicht von meinen Berufen. So einen Gedanken muss man sorgsam prüfen, denn es besteht ja eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass man selbst ein Problem hat, nicht die anderen. Selbstbild/Fremdbild, da fällt man gerne rein, da geht man gerne baden. Man muss also suchen, das zu objektivieren, abzugleichen und zu prüfen. Das habe ich gemacht. Lange und oft. 

Und ich bleibe dabei – es wimmelt da draußen von Leuten, die dem nicht gerecht werden, was auf ihrer Visitenkarte steht (schnell ein Blick auf meine eigene, da steht aber nur “Texte” – Schwein gehabt). Leute also, die also entweder Kompetenzlücken spektakulären Ausmaßes haben oder die, noch wesentlich verbreiteter, ihre ihnen durch die Rolle zugewiesene Verantwortung lieber nicht wahrnehmen möchten. Sie kennen vermutlich den Bartleby von Melville, und ich hatte es mehrere Male in den letzten Monaten mit Bartlebys zu tun, aber auf hohem Niveau. Auf bestbezahlten und allgemein anerkannten Positionen. Sitzen da und möchten lieber nicht und man steht davor und denkt und fragt vielleicht auch: “Ja, wie jetzt?” Und dann kommt nichts mehr. 

Die oben erwähnte dünne Linie schlängelt sich natürlich zu Entscheidern aller Art, die unsere aktuelle Situation managen. 

Ich muss das hier abkürzen, die Familie ist gleich wach und will dies und das, Brötchen etwa und Bespaßung, dem habe ich mich dann selbstverständlich zu widmen, aber ich habe so einen furchtbar altmodisch klingenden Verdacht, eine so spaßverderbend anmutende Frage, eine kulturgeschichtlich so rückwärts gewandte Vermutung. Ist es nämlich nicht vielleicht so, dass wir an viel zu vielen Stellen ohne das Leitbild eines tugendhaften Menschen nicht ganz so gut zurechtkommen, um es allzu milde auszudrücken?

Aber ich bin weder Philosoph noch Experte für Ethik. Ich erinnere nur dunkel die Kardinaltugenden, Gerechtigkeit, Weisheit, Mut und Maß, die klingen schon so ungeheuer anspruchsvoll, wer will denn so etwas. Ich erinnere auch dunkel, wo ich schon dabei bin, den Tweet des FDP-Chefs “Ich will nicht verzichten!” War das in diesem Jahr? Im letzten Jahr? Wann auch immer. Da ging es um den Klimawandel. Es war ein Satz von geradezu unfassbarer Dummheit, man möchte gar nicht dagegen argumentieren, so dumm und flach ist das, es ist ein Kindergartensatz. Aber so eine Wendung fällt nicht mehr auf. In Zeiten von Trump kann nichts mehr auffallen, weil die Affektsteuerungskompetenz von Dreijährigen zur Messlatte für richtiges Verhalten erhoben worden ist. Wenn man zwischendurch versucht, sich auf Werte und Pflichten zu besinnen – man fühlt sich in einem Ausmaß altmodisch, einem Zeitreisenden könnte es nicht anders gehen. 

Immer staunender auf die Zeiten blicken, in denen man lebt. Mit anderen Worten, langsam und unerbittlich sicher zum nörgelnden Fensterrentner werden. Passt schon. Ich kann mich mit der Rolle bisher gut anfreunden. Es ist vielleicht sogar, wer weiß, eine pflichtgemäße Verwandlung. Jeder auf seinem Niveau. 

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Links am Morgen

Notebook vs. Handschrift, nächste Runde. Aber auch egal. Irgendwie weiterschreiben. 

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Wir haben hier gelegentlich Spenden für die Suppengruppe im kleinen Bahnhofsviertel gesammelt, die Lebensmittel an Bedürftige ausgibt. Es gibt Bloggerinnen der Tat, die helfen da jetzt mit.

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Über die Dimension der Krise. Also der anderen.

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Über das Weihnachtsalbum von Chilly Gonzales. Ich lese so etwas ganz gerne, aber ich bin musikalisch so ungebildet, ich höre das nicht, was da steht. Durch ein Stück weht ein was, ein fatalistischer Eishauch? Ach ja? Es kommt ein beglückendes Nat-King-Cole-Feeling auf? Na, wenn Sie es sagen. Und das ist also schwermütiger Piano-Jazz. Okay. Aber gerne gehört, das Album. Oder wie Sohn II sagt: “Das spielen wir dann auch alles.” Das Keyboard wurde schon geliefert und im Gegensatz zu mir hat er keinen Respekt vor dem Erlernen neuer Fertigkeiten, wozu er den schönen Merksatz referiert: “Kein Ding für den King.” So wollen wir es halten. 

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