afk

Gewöhnlich ist es eher nicht so gut, wenn ein Arzt einen als ungewöhnlichen Fall bezeichnet, das trifft auch bei mir gerade zu. Deswegen werde ich jetzt mal rund zwei Wochen die Finger ziemlich komplett von den Tasten lassen, um gewisse Gelenke mit desaströs mangelhafter Arbeitsmoral und schwach ausgeprägtem Durchhaltewillen etwas Ruhe zu gönnen, das lässt sich wohl nicht mehr vermeiden, hin ist hin.

Drüben bei der GLS Bank wird noch etwas erscheinen, da habe ich wie immer strebsam vorgearbeitet, aber hier – Sendepause. Wie auch auf Twitter etc. Was man aber macht, wenn man partout nichts mit Tasten machen soll? Keinen Schimmer, das finde ich jetzt heraus. Vielleicht doch mal Podcasts hören?

In etwa zwei Woche geht dann natürlich auch der Wanderbericht weiter, geht überhaupt alles weiter, man liest sich. Das Textstück unten war schon fertig, das klebe ich hier schnell noch dran.

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Ansonsten heute mal nur junge Leute, es gibt im Freundeskreis mittlerweile mehrere Menschen mit bloggenden Kindern und auch jungen Erwachsene, die online etwas machen. Liva habe ich z.B. schon öfter verlinkt, sie ist gerade ein Jahr in Mexiko, dort ist sie direkt nach der Schule hingeflogen. Jetzt steht sie kurz vor der Rückkehr, das ist auch nicht ganz einfach.

Die Schüler der Winterhuder Reformschule machen “Challenges”, die es in sich haben, jetzt radelt gerade ein Trupp die ganze Elbe entlang, einen davon kenne ich. Und sie bloggen darüber. Das ist doch ein anderer Schnack als unsere eher langweiligen Projektwochen damals.

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Und jetzt noch jünger. Vor der Kirche, die unserer Wohnung gegenüber liegt, wird im Sommer an einigen Wochenenden Freilichttheater gespielt. Abendliche Vorführungen, gar nicht schlecht besucht, aber doch eher eine Stadtteilsache, nicht so bekannt im Rest von Hamburg. Die Generalprobe findet auch vor der Kirche statt, die Beleuchtung wird getestet, der Ablauf, das ganze Stück wird natürlich einmal durchgespielt, diesmal sind es zwei Frauen, die da agieren, es geht wohl um Lebenskrisen. Der Rest des Kirchenvorplatzes ist dunkel, da sind nur zwei Zuschauer, die sich diese Probe intensiv ansehen, eine Fotografin und Sohn I.

Sohn I, der längst ins Bett gehört, Sohn I, der nur eine Szene sehen möchte, nur zwei Szenen, nur einen Akt, nur zwei Akte. Sohn I, der nicht mitbekommt, dass ich schon zum vierten Mal runtergehe, um ihn endlich und jetzt aber wirklich endgültig ins Bett zu bitten, der hört mich nämlich gar nicht, der sieht ja Theater, da wird gespielt und getanzt, da ist der Rest der Welt erst einmal gründlich egal und ausgeblendet. Und die beiden Damen haben bei ihrer Probe den aufmerksamsten Zuschauer, den sie sich nur wünschen können.

Sohn I, der sich für die Herbstferien bei einem der großen Hamburger Theater zu einem Ferienworkshop angemeldet hat, das hat er sich alleine ausgesucht.

Was ich aber eigentlich sagen wollte, die Grundschule, auf der Sohn I und Sohn II ist, die ist eine Kulturschule, sie kooperiert also mit Theatern, Museen etc. Da kommen beispielsweise Schauspielerinnen in den Unterricht und führen Szenen auf, um Kinder für ihr Metier zu interessieren. Und ich möchte meinen, das funktioniert tadellos, bitte gerne damit weitermachen.

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Ein Kind in einem Zug.

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Ein neuer Wirtschaftsteil von mir drüben bei der GLS Bank.

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Die Natur an der Nordsee in der Dürre.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, auch wenn ich in den nächsten vierzehn Tagen ziemlich sicher nichts damit mache.

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Abende auf Kunstrasen und in bester Luft

(Die Fortsetzung zu diesem Artikel)

Der Weg zum Strand ist weit. Also natürlich ist er nicht weit, aber wir waren immerhin schon den ganzen Tag unterwegs, wir dürfen den also mit Fug und Recht weit finden und ihn fluchend entlang gehen, jeder Schritt ist einer zuviel, jede Biegung eine gottverdammte Zumutung. Der Weg führt über den ganzen Campingplatz, auch durch den Bereich der Dauercamper, da brauchen wir dann noch etwas länger, weil wir uns alles erst genau ansehen müssen. Dauercamper, so fassen wir dann nach einer Weile unsere Erkenntnis zusammen, sind wie Schrebergärtner, aber mit viel kleineren Parzellen, ohne Garten und “mit alles aus Plastik”, wie der Sohn ganz richtig sagt. Ohne den Dauercampern zu nahe treten zu wollen, auf den ersten Blick erschließt sich uns nicht, was genau daran schön sein soll, dort abends auf einem Stück Kunstrasen in ungeheuer aufgeräumter Umgebung hinter aufgespannten Kunststofffolien in bester Luft zu sitzen und fernzusehen. Vermutlich müsste man dauercampen,um es zu verstehen, aber wer hat denn Zeit für so etwas. Also außer Menschen, die schon in Rente sind, das scheint auf den ersten Blick auch bei den meisten Menschen dort hinzukommen. Einer hat eine Hortensie in die gegabelte Deichsel seines Wohnwagens gepflanzt, “Der macht wenigstens was mit Natur”, sagt der Sohn. “Man muss auch loben können”, sage ich, “ganz genau.”

Am Strand ist noch Betrieb, der Kurkartenkassierer in seinem Kabuff hat aber schon Feierabend, wir kommen umsonst ans Meer. “Ganzen Tag nichts gezahlt!”, sagt der Sohn mit einem gewissen Piratenstolz, was man eben so erbeutet. Ich setze mich in den Sand, der Sohn zieht sich seine Badehose an und stellt sich ins Meer, in die nur müde schwappende Brandung, die man kaum so nennen kann. Das Wasser ist warm, auch für sommerliche Ostseeverhältnisse ist es sehr warm. Uns kommt eine Frau aus dem Wasser entgegen, die kopfschüttelnd sagt: “Ich geh mal kalt duschen, das bringt hier ja nichts.” So warm ist das Wasser.

Dem Sohn ist das egal, Hauptsache Meer. Nach einer Tageswanderung ist Wasser immer super, das merkt er jetzt – und wie er das merkt. Denn im Wasser geschieht etwas mit ihm, es überkommt ihn irgendwie und er hat seinen endgültigen Durchbruch als Wasserratte, er ist eine Stunde eher unter als über dem Wasser, er macht Handstand, Kopfstand und Rollen im Meer, er springt von einem Steg und rennt immer wieder rein und raus, einfach aus Spaß, weil es so schön ist, im Wasser zu rennen. Er wird sogar von einer älteren Dame angesprochen, dass es ja eine helle Freude sei, ihm zuzusehen, so viel Vergnügen! Das würde ja geradezu belebend wirken! Diese ekstatische Art des Badens also, und ich erinnere mich, das kannte ich auch einmal. So zu schwimmen, dass man überhaupt nicht mehr raus will, dass man sich wie ein Meeresbewohner fühlt, dass sich unter und im Wasser alles so dermaßen perfekt anfühlt und auf einmal sogar viel richtiger als an Land, als sei man im Wasser zuhause und endlich zurückgekehrt, als könne das jetzt so bleiben. Und so zu schwimmen, das dauert eben eine ganze Weile, das ist natürlich nicht in zehn Minuten erledigt, auch nicht in zwanzig. Ich sitze im Sand und sehe zu, wir haben Zeit.

Der Sohn sieht aus wie ich damals, darüber habe ich hier schon einmal geschrieben, ich sitze also und fühle seltsam intensiv mit. Erinnern und Beobachten werde eins, ich selbst mache den Handstand, ich selbst mache diese Rollen unter Wasser, ich schwimme da hinten herum und tauche ins Grünblaue ab, habe Salzwasser im Mund und Tang zwischen den Fingern und es ist ganz außerordentlich schön. Ich erfrische mich sozusagen aus zweiter Hand, das geht also auch.

Die Sonne steht tief, es wird dennoch nicht kühler. Es sind noch ungewöhnlich viele Menschen am Strand, Touristen, die längst den Punkt verpasst haben, an dem man normalerweise in der Touristenrolle ins Hotel geht. Da ist der Mensch wie ein Tier, wenn es kühler wird, dann geht er irgendwann in seinen Bau, wenn es aber nicht kühler wird, dann liegt er immer weiter da, wo eben noch die Sonne war, und irgendwann wirkt er da fehl am Platz. Es wird nur zögerlich ruhiger am Strand, es bleibt immer weiter warm, es ist die ideale Nacht, um einmal im Leben am Strand zu schlafen, aber wir haben das Zelt ja schon auf dem Campingplatz aufgebaut und das muss natürlich auch dort getestet werden. “Hunger”, sage ich schließlich. “Kein bisschen”, sagt der Sohn, denn der der läuft bei Hitze im Sparbetrieb und verbraucht fast nichts. Das kenne ich auch so von früher, das gibt sich aber dummerweise mit den Jahren.

Wir suchen uns einen Imbiss, in der nächstbesten Bude gibt es Gerichte aus dem Wok. Der Wok steht an der Ostsee auch nicht gerade für die traditionelle und regionale Küche, andererseit kann man mit Curryhuhn aber nicht viel falsch machen, wenn man nur genug Curry nimmt. Es ist also eine ziemlich sichere Sache. Wir essen wespenumsummt, ich sehr viel und der Sohn sehr wenig. Wir gehen dann ungeheuer müde den auf einmal noch viel weiteren Weg zum Campingplatz zurück, wo wir merken, dass einer von uns beiden seine Schuhe bei der Imbissbude gelassen hat, weswegen wir noch einmal zurück müssen. Es sind die Kleinigkeiten auf Reisen, die wirklich Kraft kosten, das stelle ich immer wieder fest. Die Schuhe stehen noch ordentlich unter dem Tisch, an dem wir gesessen haben, der Wokbudenmann winkt freundlich aus seinem Bedienfenster, der hat uns schon erwartet. Wir werfen noch einen letzten Blick auf die See, verbunden mit der Überlegung, ob man nicht doch noch einmal ganz kurz – aber nein. Die Kraft ist jetzt wirklich gründlich verbraucht.

Die Sache mit dem Duschchip müssen wir aber doch noch austesten, ein Chip für fünf Minuten, so hatte es der Mann an der Rezeption gesagt. Wie lang sind fünf Minuten unter der Dusche, ist das lang, ist das kurz? Wie lange duscht man eigentlich normalerweise? Fünf Minuten, das finden wir dann heraus, reichen locker für zwei Personen, und dann läuft sogar immer noch ziemlich lange Wasser, wir hätten noch jemanden einladen können. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit unter der Dusche gestanden haben, wird uns klar, dass die Sache mit den fünf Minuten nicht stimmen kann. Vielleicht ist das Ding kaputt oder ein Chip reicht für 15 oder für 25 Minuten, das Wasser läuft jedenfalls immer weiter und weiter und wir sind längst die allergeduschtesten Menschen weit und breit, so viel steht fest. Irgendwann stellen wir das Wasser einfach ab und gehen, wie bei jeder anderen Dusche auch.

Auf der Zeltwiese sammelt sich währenddessen eine größere Kinderschar, das gehört wohl zu den Gepflogenheiten dort, dass der Nachwuchs aller Altersstufen sich abends zuammenrottet, wenn die Damen und Herren Eltern wieder irgendwelche Erwachsenendinge in den Zelten machen, herumräumen, kochen oder mit Handtuch über der Schulter zum Duschhaus ziehen. Wildfremde Kinder bilden da ein Rudel, die brauchen etwa zwei Minuten, bis sie gemeinsam etwas machen können, das ist immer wieder faszinierend. Wie unendlich lahm man als Erwachsener mit so etwas wird, wie sehr man irgendwann wieder fremdelt. Die ganze Schar verschwindet Richtung Spielplatz und bleibt dort auch eine ganze Weile, es ist längst stockdunkel. Ab und zu hört man Kinderrufe, es klingt nicht so, als ob man da hingehen müsste.

“Wollen wir nochmal besprechen, was wir heute alles erlebt haben?” frage ich den Sohn, als er endlich neben mir im Zelt auf dem Schlafsack liegt. “Ja”, sagt er und schläft in derselben Sekunde ein, während ringsum ein verblüffend vielfältiges Schnarchen einsetzt.

Fortsetzung hier.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, denn die Wanderung wird fortgesetzt. 

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27, 52

Der morgendliche Blick in den Wetterbericht zeigt keine Hitzetage mehr an, nur noch einmal 27 Grad in der nächsten Woche, das ist für dieses Jahr doch geradezu frisch, da kuschelt man sich schon etwas enger ins Baströckchen. Die grauen Klunker auf den Wetterseiten sind übrigens Wolken, man erinnert sich dunkel.

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Meine Laune erreicht fahrplanmäßig den Jahrestiefpunkt, das ist normal und kein Grund zur Unruhe. Ich habe in der nächsten Woche Geburtstag (52, eine irgendwie angenehm unspektakuläre Zahl), das ist da erwartbar und von self-fulfilling prophecy muss mir keiner was erzählen, weil eh egal. Es gab schon einige wenige Jahre, da blieb dieser Tiefpunkt überraschend aus, ich habe mir aber dummerweise nicht merken können, warum das da so war. Wenn man nicht dauernd aufpasst! Egal, dafür habe ich später dann gewohnheitsmäßig kein Novembertief und gehe an den dunkelsten Tagen des Jahres wieder allen mit ausgeprägtem Frohsinn und morgendlichem Gepfeife auf den Wecker. Auch schön.

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Ich lese Thoreaus “Vom Wandern” (“Walking”), bin mir aber nicht sicher, ob ich einen sinnigen Bezug zu meinen Wanderungen herstellen kann. Er versucht da etwa, wenn er in den Wald geht, nur an den Wald zu denken, also alle anderen Gedanken fallenzulassen, hinter sich zu lassen. Wie setze ich das nun auf meinen Wegen durch Schleswig-Holstein und Hamburg um? Wenn ich durchs Straßenbegleitgrün gehe, dann denke ich nur Straßenbegleitgrün. Nun ja. Stets bemüht.

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Ich habe einen schnellen Blick in die Hobenköök geworfen, wenn Sie aus Hamburg sind, dann wollen Sie das vielleicht auch? Das Essen teste ich dann bei Gelegenheit auch mal und berichte hier. Und die Biere im Verkauf. Und die Joghurtsorten. Und überhaupt. Sehr praktisch übrigens, dass die Hobenköök direkt neben der Parkour-Halle ist, dadurch komme ich da regelmäßig vorbei, denn zumindest ein Sohn geht da nach wie vor oft hin.

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Ich stehe am Küchenfester und sehe runter auf den Spielplatz. Es ist eine Uhrzeit irgendwo dazwischen, es ist nicht früher Abend, es ist nicht später Abend. Es ist nicht mehr hell und es ist noch nicht dunkel, es ist irgendwas dazwischen. Um die Zeit haben da unten die ihren Auftritt, die keine Kinder mehr sind und noch keine Erwachsenen, die sind irgendwas dazwischen, und die hängen da jetzt herum, denn gemäß einer uralten Regel, der wir auch alle einmal gefolgt sind, haben Jugendliche nun einmal irgendwo herumzuhängen. Arme und Beine zu lang, Frisuren seltsam, in den Gesichtern blühen die Hormone, sie sind an Leib und Seele wüst (der Freundeskreis Poesie murmelt an dieser Stelle hystrix grotei Gray und nickt wissend).

Der Spielpatz ist eigentlich eher für Kleinkinder gedacht, es gibt nicht einmal normale Schaukeln, da sind diese Sitzkörbe dran, damit die Ein- und Zweijährigen auch ja nicht rausfallen. Da setzen sich die Jugendlichen rauf und baumeln mit den enormen Beinen, rauchen lässig und schaukeln probeweise, lange nicht mehr gemacht! Einige von denen werden da vor zehn oder mehr Jahren schon einmal gesessen haben, damals hat ihnen noch jemand Anschwung gegeben und sie süß gefunden. Heute macht das keiner mehr, heute hängen sie da in den Seilen und wissen nicht recht, was macht man denn nun genau bei diesem Herumhängen, von dem immer alle reden? Und wie lange? Einer geht zur Sandkiste, da liegt noch Spielzeug, er nimmt sich eine rote Plastikschaufel, mit der schippt er etwas Sand. Zwei, drei Schaufeln. Dann denkt er einen Moment nach, dann setzt er sich hin und schippt jetzt richtig was weg. Hat früher Spaß gemacht, macht immer noch Spaß, guck an. Sitzt da und kichert und schippt.

Auftritt einer Familie mit Kleinkind, was machen die denn hier um diese Uhrzeit? Bestimmt Touristen, die fallen ja schnell mal aus dem Rhythmus. Der in der Schaukel weiß jetzt nicht recht, was er machen soll, wilder Macker oder verständiger Mitbürger sein, schwere Wahl! Er hat eben erst seine Kippe in die Sandkiste geworfen, die sammelt er jedenfalls schon mal wieder auf, der Lütte da soll sich ja nicht verbrennen. Und wenn er schon aufsteht, dann macht er auch die Schaukel frei, ob nun mit Absicht oder nicht, die Mutter dankt jedenfalls freundlich. Da geht es hin, das Mackertum, da macht er schon etwas Smalltalk mit der Mutter des Kleinen, als Jugendlicher hat man es auch nicht immer leicht. Sein Kumpel dahinten backt mittlerweile Kuchen mit einem kleinen Förmchen und wirkt zufrieden mit sich und der Welt. Das wird Kuchen aller Art auch in späteren Jahren noch oft mit sich bringen, so viel könnte man vorhersagen.

Der von der Schaukel lehnt kurz darauf weiter hinten an einer Wand und guckt so in die Gegend, das ist gut. Auf so eine Wand kann man sich nämlich verlassen, die redet nicht, die bringt einen nicht in irgendwelche Situationen, die hält einen einfach nur, Wände sind super. Eine rote Ziegelwand, eine durch und durch vernünftige Sache. Da steht er nun und es wird langsam dunkler. Wenn er noch etwa eine halbe Stunde wartet, er kann im Dunkeln rauchen, so dass es ganz klein rot leuchtet, wo er steht, das wird traditionell als schöner Effekt empfunden, das kommt auch oft in Filmen vor. Der ganze Platz stockdunkel, nur er leuchtet da herum. Und nach der Zigarette ist er dann auch schon wieder eine Zigarette älter. Der Rest findet sich später.

So war das doch alles auch damals, war es nicht? So ist das also immer noch.

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Musik! Ich habe auf dem morgendlichen Weg zum Orthopäden einen Bauarbeiter auf einem Gerüst gesehen, Jeans, weißes Muskelshirt, bei dem ich kurz im Vorbeiradeln dachte, das Bild kennste doch, das Gesicht, die Haltung, aber woher jetzt bloß? Nur eine Stunde später fiel es mir ein. Und hätte er einen anderen Helm aufgehabt, einen silbernen, ich wäre viel schneller gewesen, der sah nämlich so aus wie der Hauptdarsteller aus Domino Dancing. Die Pet Shop Boys ganz damals, das Mädchen im Wahnsinnskleid, das sprach mich an in jenem Jahr. Unordnung und frühes Leid, um es mal milde auszudrücken.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, das wird dann zu Spesen, ich fahre morgen wieder an die Ostsee und wandere weiter.

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82 – 90

Ich hänge quer im Kalender, da wir wegen der Trauerfeier für die Großmutter der Herzdame ungeplant an einem Dienstag im Heimatdorf waren, jetzt bin ich aus dem Takt, und zwar so gründlich wie lange nicht mehr. Es ist Donnerstag, ich kann das nachsehen, aber es überzeugt mich nicht, es passt nicht. Es ist eher Freitag, es müsste eher ein Urlaub folgen oder zumindest ein langes Wochenende, nicht ein zweites Halbjahr voller Arbeit bis Weihnachten. Das fühlt sich alles verkehrt an, sogar die Uhrzeit, das kommt doch alles nicht hin. Uhrenvergleich: Es ist fast zu spät für einen entspannten Spätsommer. Gut, sind wir uns einig.

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Wir sind wochenlang nicht richtig im Garten gewesen, das bringt die Urlaubszeit so mit sich. Während wir uns an der Nord- und Ostsee und auch in Berlin herumgetrieben haben, hat Isa im Garten das gemacht, wozu wir nie gekommen sind, sie hat dort geschrieben und dekorativ geruht. Dafür vielen Dank, auch fürs Blumengießen und Rasensprengen, versteht sich. Schreiben und Ruhen, das gehört fest zu unserem Plan für die nächste Gartensaison. Es wird verdammt spannend, ob wir das hinbekommen, obwohl ich natürlich von Anfang an auf den Anspruch verzichte, das auch nur halbwegs dekorativ zu tun. Aber es gibt absehbare Entwicklungen, die dummerweise gegen Ruhe sprechen, gegen das Schreiben sowieso. Sollte jedenfalls Isas nächstes Buch erscheinen, die Seiten 82 bis 90 sind bei uns im Garten geschrieben worden, wollen Sie das bei der Lektüre bitte beachten. Ich gehe kategorisch davon aus, dass die Leserinnen und Leser dieses Blogs auch die Bücher von Isa lesen, denn bitte, das ist quasi Familie, wir sind so (*der Autor vollführt Gesten mit verknoteten Fingern*). Das mit den Seiten 82 bis 90 ist jetzt zwar einigermaßen dreist herbeibehauptet, aber das ist ja egal, wir wollen einfach annehmen, dass es sich um genau diese Seiten handeln könnte, die Gartennutzung soll sich doch für alle gelohnt haben. Und der Mensch braucht nun einmal Annahmen, sonst funktioniert das Weltbild eh nicht, das kann Ihnen jeder kleine Philosoph von der Straße bestätigen.

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Die schmelzenden Gletscher von Montana. Es gibt übrigens immer noch erstaunlich wenig Reportagen zum Klimawandel, das ist anzuprangern. Hier noch etwas zum Aletschgletscher.

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Hungersteine. Via Kaltmamsell. Guter Romantitel auch! Einfach so, Hungersteine. Gleich preisverdächtig. Aber schnell recherchiert: Das gibt es schon, von 1899, geschrieben von der mir unbekannten Gertrud Franke-Schievelbein, die den Titel auch im Plural verwendete, Die Hungersteine. Sie schrieb auch “Der Unkenteich”, das macht sich natürlich sehr gut daneben. Ein weiterer Roman von ihr trägt den rätselhaften Titel “Ni”. Was mag das sein?

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Shakespeare waren andere.

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Frankreich will Plastikmüll verteuern. Siehe auch: Mallorca und der Plastikmüll.

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Schlechte Nachrichten von der Lieblingsinsel.

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Was noch? Sommermusik. Auch hitzekompatibel, einfach laut machen, das passt. Also richtig laut. Heute war übrigens, wenn ich dem Wetterbericht glauben darf, der vermutlich letzte Hitzetag. Ich danke für diese überaus erfreuliche Entwicklung, auch im Namen aller anderen Dachgeschossbewohner in diesem Land.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Jojo über das Jumphouse

Ein Artikel von Jojo Buddenbohm, auch bekannt als Sohn I, fast elf Jahre alt

Ich war im Jumphouse, weil fast alle aus meiner ehemaligen Grundschulklasse mir davon erzählt haben, wie toll es da sein soll. Ich habe dann so lange herumgebettelt, bis mein Vater endlich nachgegeben und einen Termin gemacht hat, man bucht die Termine da nämlich online, dabei gibt man auch an, wie lange man bleiben möchte. Dann sind mein Vater, mein Bruder und ich dahingegangen. Mein Vater ist aber draußen geblieben, der kann nicht gut springen, hatte keine Lust darauf und kaputte Ellenbogen.

Der Weg dahin war weit, wir waren in dem Poppenbütteler Jumphouse, da braucht man über eine Stunde aus St. Georg mit U-Bahn und Bus und zu Fuß. Es gibt auch noch ein Jumphouse in Stellingen. Im Jumphouse mussten wir erst noch besondere Socken fürs Springen kaufen, ein Paar kostete 3 Euro, das fand ich teuer. Aber man kann sie beim nächsten Besuch wieder verwenden.

Es gab in der Vorhalle einen Bereich, in dem man auf einen Einweiser warten musste, da lief aber auch schon ein Film mit den ganzen Regeln, was man beachten sollte, was man nicht machen sollte. Dann kam noch eine Person, die da arbeitet, die ging das alles noch einmal extra durch. Dann konnte man loslegen. Es gibt dort, das sieht man auch gleich, wenn man reinkommt, eine Kissengrube, in die man von drei Trampolinen hineinspringen kann, es ist aber nur ein einfacher Frontflip erlaubt. Dahinter eine offene Halle mit vielen Sprungmöglichkeiten, da kann man durchrennen und durchhüpfen. Dann geht man eine Treppe hoch in einen anderen Raum, da gibt es zwei Parcours-Varianten, die man auf Zeit oder einfach so machen kann.Es gibt zwei kleinere Räume, die mit Netzen abgetrennt sind, da kann man so etwas wie Völkerball spielen, nur eben auf einem Trampolinuntergrund.

Eine weitere Treppe hoch gibt es einen Airbag, in den man springen kann, und eine Leiter, die sich dreht, wenn man mit dem Gewicht zu sehr auf einer Seite ist. Wenn man oben einen Button drückt, hat man es geschafft. Und da gibt es eine weitere Kissengrube, über der ist ein Balken, auf dem man mit Kissen kämpfen kann.

Es gibt auch einen Skywalk, der leider erst ab 12 Jahren ist, der sieht aber gut aus. Nächstes Jahr! Neben dem Skywalk sind noch ein weiterer Parcours und ein Gerät, das sich dreht. Auf Kinderschulterhöhe ist da ein Balken dran und auf Bodenhöhe ein anderer, da muss man sich drunterducken und drüberspringen.

Wir waren da eine Stunde drin, ich fand es insgesamt etwa eine 7,5 auf einer Skala bis 10. Ich dachte zwar, es gibt noch mehr einfache Sprungbereiche, aber es war trotzdem okay so. Ich glaube, mein Bruder fand es insgesamt auch gut, der war aber sauer, weil er den Skywalk nicht machen durfte. Ich war hinterher sehr kaputt, es gibt da eine Bar mit Eis etc,. die braucht man dann auch.

Ich würde gerne noch einmal hingehen, auch länger als eine Stunde. Und Erwachsenen, die sich noch gut bewegen können und die noch nicht klapprig sind, kann man das bestimmt auch empfehlen. Aber gut in Form sein muss man schon.

Dieser Artikel ist keine bezahlte Werbung, wir hatten mit den Betreibern da nichts zu tun.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, das wird heute wieder für Jojos Eintrittsgelder verwendet..

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