Schwalben und Admiral

Der Regen hörte zögerlich auf, die ersten Schwalben starteten wieder. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, heißt es, und ich weiß jetzt auch, warum man da nicht mehr Schwalben nennt. Man kann sie nämlich nicht zählen, ich habe das lange versucht. Ohnehin kann der Mensch, wenn ich es richtig erinnere, beim bloßen Hinsehen nur bis fünf zählen, danach muss er sich Notizen machen, die Finger dazunehmen oder sonst welche Tricks anwenden; wir können jedenfalls nicht irgendwo hinsehen und spontan sagen: „Ach guck, elf Schwalben.“ Wir müssen sie erst zählen, Stück für Stück. Nun fliegen die aber wild durcheinander, einigermaßen hektisch sogar, und es ist also fast unmöglich, Schwalben zu zählen, wenn man nicht mit dem Handy zwischendurch Beweisbilder macht und dann abzählt, aber das kann ja jeder, das ist unsportlich und langweilig. Ich kann, wenn ich das alles berücksichtige, nur folgendermaßen steigern: Fünf Schwalben machen definitiv auch noch keinen Sommer, jedenfalls nicht auf Eiderstedt. Es blieb zu kalt für die Jahreszeit und am Horizont türmten sich bereits die nächsten Wolkengebirge auf.

Ich habe mein Wissen über Schwalben während des Aufenthalts etwas erweitert, weil ich viel Zeit mit dem Blick aus dem Fenster verbracht habe. Nicht aus naturkundlichem Interesse, versteht sich, nur aus erschöpfungsbedingtem Desinteresse an allem anderem. Deswegen fiel mir erstmalig auf, wie irritierend kurz Schwalbenflüge sind. Sie brauchen vom Rand des Nestes, in dem die hungrigen Küken sitzen und sperren, nur wenige Flugmeter, bis sie schon wieder etwas gefangen haben, dann geht es sofort zurück, die Mücke oder was auch immer wird in einen Schlund geworfen und augenblicklich geht es weiter, es ist im Grunde ein unfassbar rasender Berufsalltag, von wegen besinnliche Momente da draußen. Unzählbar auch, wie viele Flüge eine erwachsene Schwalbe auf diese Art im Laufe eines Tages absolviert, eine irrwitzig hohe Zahl muss das sein und fortwährend reden sie dabei. Ihr Reden wird oft als Schwatzen bezeichnet, vielleicht ist da mehr dran, als man denkt. Denn wenn man sich ansieht, wie sie da verbissen und fortwährend in Höchstgeschwindigkeit durcheinander fliegen, kann man sich kaum vorstellen, dass dabei ein sinnvoller Austausch stattfindet, es wird vielmehr so sein, dass sie unentwegt mit sich selbst reden und ich hatte nach einer Weile den starken Verdacht, dass wir, könnten wir Schwalben verstehen, ihr Geschwätz fürchterlich nervtötend finden würden, denn es wiederholt sich ja auch noch alles.

Stellen Sie sich vor Sie haben eine Kollegin oder einen Kollegen, die oder der immer wieder Sätze wiederholt, grauenvoll berechenbar. Jeden Morgen, wenn der Computer angeschaltet wird, kommt beispielsweise der Satz: „Jetzt aber ran an den Feind“, und dann erst wird gearbeitet, das habe ich einmal so erlebt. Jeden verdammten Tag wurde dieser Satz memoriert, vollkommen unausweichlich, immer wieder und wieder, über Monate. Diesen Satz hassen Sie dann irgendwann, das weiß ich aus Erfahrung, und so wäre es vermutlich auch bei den Schwalben, die sich vom Nestrand stürzen und dabei jedes Mal sagen: „Heyho, let’s go, dann wollen wir mal wieder, so ein Insekt, das schmeckt und zurück geht es!“ Dann der Flug zum Nest und eine Sekunde später: „Heyho, let’s go ….“ Den ganzen Tag, immer wieder heyho, let’s go. Den ganzen Sommer.

Abends, das wusste ich auch noch nicht, gibt es ein Debriefing bei den Schwalben, da sitzen sie auf dem Dach des Bauernhofes im Kreis, also ganz im Ernst im Kreis, und sprechen noch einmal alles durch, wer heute wie performed hat, wer wie viele Mücken gefangen hat und sicher auch, wie das Wetter wird und wann noch einmal der Abreisetermin ist und ob denn alle die Route kennen – und auch das bereden sie jeden Tag in diesem immer gleichen Meeting an dieser einen Stelle auf dem Dach. Kein Mensch würde das aushalten. Haha, Spaß gemacht, und wie wir das aushalten. Heyho, let’s go!

Zwischendurch saßen die Herzdame und ich während einer der etwas sonnigeren Stunden einmal in einem Strandkorb. Vor uns lag auf einem Tisch eine Kuchentüte vom Bäcker, darauf landete ein Schmetterling. Der größte Admiral, der mir je begegnet ist, landete da, ein Phänomen, ein wahrer Riese. Und wir starrten ihn voller Bewunderung an, diesen Prachtfalter, als von links in Jetgeschwindigkeit eine Schwalbe heranrauschte, dicht über den Tisch hinwegstürmte und dabei den Schmetterling dergestalt mitnahm, dass wir, auch das eine seltsame Premiere in meinem Leben, ein gar nicht so leises, schmatzendes HAPS hörten.

Dieser Admiral, so kann mich mir denken, wurde dann beim abendlichen Review auf dem Dach ob seiner stattlichen Größe vielleicht sogar besonders gewürdigt. Und so wurde seiner mit diesem Blogeintrag jetzt also schon zum zweiten Mal gedacht – das ist doch gar nicht so schlecht für ein Insekt, das schmeckt.

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Horse in the rain

Auf dem mittlerweile aufgeweichten Reitplatz stand ein Pferd, duldsam im Regen. Das dachte ich, als ich aus dem Küchenfenster sah, vor dem ich mit der Katze auf dem Arm saß, denn ich denke oft so halb schreibend, immer auf der Suche nach dekorativen Nebensätzen, Aufhängern, Pointen, Motiven. Manchmal führt es zu etwas, manchmal führt es zu nichts, ich bekomme das aber nicht mehr aus mir heraus. Deswegen spielte ich also etwas mit der Formulierung herum, duldsam im Regen, duldsam im Regen, wofür kann man das nehmen, ist es am Ende ein Titel. Ich erfinde gerne Titel und schreibe die Geschichten dann nicht, ein etwas abseitiges Hobby. Duldsam also, so duldsam, wie der Mensch auch im Alltag steht, also ich jedenfalls, nicht immer alles verallgemeinern, Herr Buddenbohm. Ein hübsches Wort eigentlich, wenig wird es genutzt. Die Duldsamkeit. Unmodern und ungeliebt, denn duldsam, das ist man ja nicht mehr, duldsam sind vielmehr nur noch Schafe, Esel und Pferde, also dieses da jedenfalls, der Mensch aber, er ist durch und durch verlangend, gierend, aufbegehrend, nervös und hektisch.

Da ich mir das Pferd aber lange ansah, die Ruhephase der Katze verlangte es so, hatte ich Zeit, etwas mehr nachzudenken. Das Pferd stand auf dem Reitplatz, es hätte aber auch unter dem Scheunendach stehen können, das wären nur ein paar Schritte gewesen und seine Kollegen standen da tatsächlich, unter diesem Dachüberstand, sie blieben trocken und guckten von da aus in den Regen. Wieder andere waren auf der Weide und grasten ungerührt, Regen hin oder her. Das Pferd auf dem Reitplatz hatte den Kopf weder ganz oben noch ganz unten. Ich bin nun kein Pferdeexperte, aber ich dachte mir, vielleicht döst es gerade oder schläft sogar, Pferde können das doch. Ich konnte nicht sehen, ob es die Augen geschlossen hatte, ich weiß aber wiederum auch gar nicht, ob Pferde zwingenderweise mit geschlossenen Augen schlafen oder dösen. Wenn man erst anfängt, auf diese Art nachzudenken, kommt man schnell darauf, dass man überhaupt nichts weiß, oder doch jedenfalls verflucht wenig. Während ich mich also vor zwei, drei Gedanken noch als homo scribens stilisieren wollte, bin ich jetzt schon wieder im Stadium der Dummerhaftigkeit angekommen, sehen Sie, und zwischen diesen Ausschlägen, genau da liegt meine Mittelmäßigkeit. Dachte ich so, denn nach wie vor blieb mir Zeit zum Denken, die Katze auf mir schnurrte währenddessen immer weiter.

Ich sehe, so überlegte ich, diesem Pferd in Wahrheit gar nicht an, ob es da duldsam steht, das ist nur Wortgeklingel. Das Pferd kann ebenso gut total genervt von dem Regen sein, das kann da seit drei Stunden vor sich hin fluchen ob des elenden Wetters, und es steht vielleicht aus reiner Bockigkeit genau da und nicht unterm Scheunendach, solche Muster kennt ja jeder von sich selbst, doch, in solche Situationen kann man leicht einmal geraten, wie jeder weiß, der schon einmal geschmollt hat. Vielleicht war das Pferd aber auch in einem seligen Halbschlaf, fand das gleichmäßige Klopfen der Tropfen auf seinem Rücken irre meditativ und so dermaßen beruhigend, es versuchte schon seit einiger Zeit, die anderen Pferde davon zu überzeugen, aber die hörten ja nicht, die stellten sich lieber unter, weil sie sich immer schon untergestellt haben, nie versuchten die etwas Neues.

Oder das Pferd dachte einfach nach, man kann ja immer irgendwo nachdenken, dafür muss man nicht erst den Platz wechseln, man kann stehenbleiben und denken, auch auf einem Reitplatz, auch auf einem aufgeweichten Reitplatz. Oder aber es dachte überhaupt nichts, weil es dieses Denkproblem generell gar nicht hat, es kann da vielmehr einfach so stehen, womit es mir und uns allen ganz klar etwas voraushat, denn das könnten wir nicht, niemals könnten wir das. Immer würden wir alles durchdenken, vor und zurück und hin und her, bewerten würden wir das und analysieren, ergründen und erforschen, warum stehen wir hier, warum gerade jetzt und wie lange noch. Das Pferd aber steht da nur, denn das Pferd an sich hat damals im Garten Eden keine Äpfel gefressen, und ich rufe dem Pferd, das mich allerdings nicht hört, „Schwein gehabt!“ zu. Die Katze klappt ein Auge auf und sieht mich durchdringend an, ich sage lieber nichts mehr.

Die Duldsamkeit jedenfalls, an die ich vorhin dachte, die ist nicht im Pferd, also nicht beweisbar oder messbar jedenfalls, die Duldsamkeit ist allein in mir, den Bezug bilde nur ich und es ist in meinem Alltag zu klären, wieso ich eigentlich ausgerechnet auf dieses Wort komme. Das Pferd hebt den Kopf etwas an und geht langsam aus dem Bild, was in diesem Augenblick so dermaßen passend ist, manchmal glaube ich ja doch, dass alles mit allem zusammenhängt. Aber wissen kann man es nicht, dachte ich, während ich duldsam weiter aus dem Fenster und in den Regen sah.

Hinten wurde es heller. Denn das gehört zum Regen dazu, dass immer jemand sagt, hinten wird es heller, und wenn man niemanden hat, der es sagt, dann muss man es sich selber sagen, bei aller Duldsamkeit.

Hinten wurde es heller und die ersten Schwalben flogen schon wieder los. Aber dazu morgen mehr, ein Tier nach dem anderen.

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Links am Morgen

Hier wird die Diskussion um das Home-Office fortgesetzt. Ich gehe übrigens wieder jeden Tag ins Büro, denn ich habe einen sehr kurzen Arbeitsweg, nur dort vernünftiges Mobiliar und kühler ist es da auch noch. Außerdem habe ich gerne Distanz zwischen mir und dem Bürojob und überhaupt gehe ich gerne durch die Gegend, und wenn ich nicht ins Büro gehe, muss ich den Weg dennoch gehen, weil ja irgendwer einkaufen muss, und irgendwer bin immer ich. Ich bin außerdem in einem großen Büro mit sehr wenig Mensch darin, es ist alles okay. Und der Kaffee schmeckt dort so absurd schlecht, ich trinke viel weniger als zuhause, das ist vermutlich auch gut. Ich verstehe aber jede und jeden, die oder der lieber im Home-Office bleibt und sehe da überhaupt kein Problem. Es soll ein jeder nach seiner Fasson und so. 

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Ich bin zufällig darüber gestolpert, wie der vollständige Name von Dido lautet, das wird Sie auch interessieren. Hier, ganz oben

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Und gelernt habe ich auch, bei einer Radiosendung, die ich gerade nicht mehr finde, den Begriff Cli-Fi. Kannte ich nicht. Unter “prominent examples” sehe ich aber auch nichts, was mir schon bekannt vorkommt. Währenddessen, ein Wink an den Freundeskreis Zufall, läuft hier im Hintergrund der Song “Paper masks” von Brazzaville, vielleicht ja Cor-Fi, was weiß ich. Link zu Spotify.

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Cat in the rain

Es regnete auf Eiderstedt. Es regnete am frühen Morgen, als nur ich wach war und als ich es nur ahnen, hören und noch nicht sehen konnte. Es regnete in der Dämmerung und es regnete auch, auch als es ungewohnt lange nicht hell wurde. Es regnete noch, als es schließlich doch so hell war, dass ich erkennen konnte, wie die Tropfen in den Pfützen auf dem schlammigen Reitplatz aufspritzen. Es regnete beim Frühstück und ein, zwei Stunden später, es regnete am späten Vormittag, es regnete mittags und bis weit in den Nachmittag. Ein gleichmäßiger Regen aus einem Wolkenfeld von ungeheurer Erstreckung. Man muss Eiderstedt erst einmal überspannen können, das ist auch für Wolken eine Herausforderung. Wenn es vollkommen leise war, und das war es meistens, konnte ich den Regen auf dem Dach hören, diskrete Percussion in Endlosschleife, diese zwei Sekunden am Anfang von ganz langsamen Jazzstücken, gesampelt und geremixt. Vor dem Fenster Dunkelgrau über Dunkelgrün, bis zum Horizont, hin und wieder schwarz von einer Handvoll Krähen durchkreuzt.

Selten nur kamen Kinder in der Wohnung vorbei und plünderten die Schränke in der Küche. Ich fragte eher pflichtgemäß als aus wahrem Interesse, was sie draußen eigentlich machten. Sie waren wieder weg, noch bevor sie antworten konnten. Wildes Getrampel auf der Treppe, dann nichts mehr. Ich lag und las, die Herzdame lag in einem anderen Raum und las auch. Ich hörte, wie sie irgendwann ein Buch auf die Erde warf. Ich stellte mir vor, wie sie das nächste nahm, dieser Urlaub war ungeheuer ergiebig, was unsere Stapel ungelesener Bücher betraf. Ergiebig wie wohl kein Urlaub jemals vorher. Es war kein Tag für Ausflüge oder für irgendwas, es war ein Tag der begrenzten Möglichkeiten für uns Erwachsene. Ich las „Alles ist möglich“ von Elizabeth Strout, übersetzt von Sabine Roth. Ein gutes Buch, besonders wenn man viel von Anne Tyler gelesen hat und so einen kleinen Twist braucht, eine etwas verschobene Sicht auf die Menschen.

Eine tropfenübersprühte Katze kam durch die Tür herein, welche die Söhne selbstverständlich wieder weit offengelassen hatten. Sie kam mit großer Selbstverständlichkeit zu mir, wie verabredet, legte sich auf meinen Bauch und schnurrte. Ich machte weisungsgemäß einen Mittagsschlaf. Ich habe keine Katzen, aber ich verstehe sie soweit. Ich habe schon mit Katzen zusammengewohnt und erinnere mich. Da sie nach dem Nickerchen immer noch da war und auch immer noch schnurrte, machte ich gleich noch eines. Dann setzte ich mich schließlich doch einmal vorsichtig halb auf, hangelte nach meinem Notizbuch und nach dem Füller, ich schrieb langsam einen Satz, es war etwas über die Katze, versteht sich. Sie lag jetzt eingerollt auf meinem linken Arm, es war kaum zu erkennen, wo genau welcher Körperteil von ihr anfing oder aufhörte, sie war ein brummender Fellkreis. Aus diesem Fellkreis stieg ein Ohr und wendete sich dem Schreiben zu, dem dezenten Geräusch der Feder auf dem Papier. Dann kam aus einer anderen und eher unvermuteten Stelle des Schnurrknäuels eine Pfote, die sich sanft, aber in ganz unzweifelhafter Dominanz auf meine Hand legte, die den Füller führte: „Hier wird nicht geschrieben, wir ruhen jetzt.“ Die Krallen gerade eben so zu ahnen.

Ich legte das Notizbuch weg, die Katze seufzte und schnurrte. Ich sah aus dem Fenster, da stand ein Pferd auf dem mittlerweile völlig aufgeweichten Reitplatz. Ich sah das Pferd an. Lange.

Aber dazu morgen mehr. Ein Tier nach dem anderen.

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Links am Morgen

Manche sagen so, manche sagen so: Jessica und Björn über Atemwegserkrankungen, Kitas und Schulen. Man stößt auf die Sinnfrage und bleibt kopfschüttelnd zurück.


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Gehört: Warum wir erzählen – Der Mensch, das geschichtenerzählende Tier. Macht natürlich noch mehr Spaß, wenn man dabei im Geiste überall “erzählen” durch “bloggen” ersetzt.

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Der ganze Grimm des Nordens

Wir fuhren nach Eiderstedt und das Wetter wurde schlechter und schlechter, Drohwolken und Herbstluft, der ganze Grimm des Nordens und insgesamt eine düstere Stimmung, als wollte der Landstrich den vielen neuen BesucherInnen aus den südlichen Landesteilen mal zeigen, was eine nordfriesische Harke ist. Vor Tönning ein Windpark, die Masten und Flügel leuchteten hell auf, als gerade ein Sonnenstrahl durchbrach. Hektisch winkten die Mühlen ab, jede Drehung ein eilig gewedeltes „Kehret um! Kehret um!“ vor schwarzem Gewölk. Aber man kann nun wirklich nicht auch noch auf Windparks hören, denn wo kommt man da hin? Nirgendwo mehr, also zumindest hier im Norden nicht.

Stoisch fuhr ich weiter, trotzig kam ich an, hier habe ich gebucht, hier parke ich. Ich stieg aus und guckte zum Himmel, an dem sich die Wolken jetzt zusammenschoben und aufbauschten wie in einem Kurs für Landschaftsmalerei in Öl, und ich dachte das passt schon, wenn schon schlechtes Wetter, dann bitte hier, denn hier ist es wenigstens dekorativ. Und damit waren wir also wieder auf dem Hof, zum mittlerweile siebten Mal, wie wir etwas überrascht nachgezählt haben. Sieben Mal, guck an, dann waren die Söhne damals ja noch so klein, und wir zeigten Größen etwa in Kniehöhe und konnten es uns kaum glauben.

Der Hof hat einen ganz wesentlichen Vorteil, der sich in jedem Jahr wieder bewahrheitet hat, in diesem sogar mehr als in jedem anderen, es handelt sich dabei um einen Vorteil, den besonders Eltern verstehen werden, die in diesem Jahr ein wenig eng und lange im Familienkreis zusammengehockt haben: Wir sehen die Kinder da so gut wie gar nicht. Nichts gegen die Kinder, aber ab und zu habe ich gerne frei. Sie steigen dort bei der Ankunft aus dem Auto und machen dann eine Woche lang ihr Ding, von dem wir in jedem Jahr weniger wissen, was es eigentlich sein mag, es interessiert uns aber auch immer weniger. Irgendwas mit anderen Kindern eben, oder aber mit Schafen, Hühnern oder Pferden. Egal.

Ich setze mich dort also auf ein Sofa – oder bei gutem Wetter in einen Strandkorb –, und zwar so lange, wie ich möchte. Eltern werden nachvollziehen können, was das heißt. Man sitzt oder liegt irgendwo zwei, drei und mehr Stunden herum und wird einfach nicht gestört, es ist ein seltsam surreales Gefühl.

Für den besonders gelungenen Einstieg habe ich mich hingesetzt und gleich einen Roman am Stück durchgelesen, das habe ich lange, lange nicht mehr gemacht. Ein Roman, der in Nordfriesland spielt, wenn auch in einem anderen Landesteil, etwas weiter nördlich. Aber egal, es war ein ungemein süffiger Roman, endlich einmal wieder etwas zum Dranbleiben aus Freude und Begeisterung und Interesse, die Mittagsstunde von Dörte Hansen. Dicke Empfehlung. Wenn Sie mal in Nordfriesland sein sollten, das ist ja beliebt da – unbedingt mitnehmen.

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Links am Morgen

Also ich zum Beispiel , ich hieß auch gar nicht immer so, wie ich jetzt heiße.

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Es ist überaus merkwürdig, aber ich kenne tatsächlich eines der Bücher von der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt schon jemals der Fall war, ich gehe mit meiner Lektüre sonst eher ein, zwei Jahrhunderte nach. Jedenfalls: Bov Bjergs Serpentinen, die kenne ich, und die sind so gut, die können bitte auch gleich gewinnen. Ich schrieb hier im Blog nichts über das Buch, weil es mich zu sehr beeindruckt hat, ich fand einfach keinen Ansatz und keinen Tonfall dafür. So ein Buch. Wenn Sie Vater sind, werden Sie es vielleicht auch hart finden. Aber auch lohnend. 

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Schule international

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Durch den Parkour-Verein von Sohn I habe ich ein neues Wort gelernt, das kennen Sie vermutlich auch noch nicht: Calisthenics. Wenn man auf Youtube einmal nach diesem Begriff sucht, da findet man Übungen – also ich glaube fast, ich kann gar nicht alle. 

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Zündschnüre und Lebendfallen

Zwischen den Fahrten durchs wilde Westfalen (ich berichtete) und der äußerst besinnlichen Woche auf Eiderstedt (ich werde noch berichten) waren wir eine Woche nicht unterwegs, extreme staycation. Das ist für Familien natürlich ein brandgefährliches Unterfangen, denn zuhause sind ja sämtliche Streitroutinen bestens eingeübt und jederzeit verfügbar, zuhause liegen überall Zündschnüre und Lebendfallen herum. Und nicht nur das, zuhause lauert auch noch Arbeit in buchstäblich jeder Ecke. Weil man ja nicht auf dem Sofa sitzen kann, ohne irgendwohin zu sehen, und wenn man aber versehentlich irgendwohin sieht, dann sieht man auch, wie es da aussieht – und schon möchte man geradezu turnerisch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ein tiefes, tiefes Gefühl der Unentspanntheit überkommt einen, das sich dann noch dadurch verschärft, dass immer genaueres Hinsehen schließlich zu der Erkenntnis führt, dass es mit Aufräumen und Putzen gar nicht getan ist, dass man eigentlich renovieren oder besser gleich ausziehen müsste, und wer soll „man“ in diesem Fall wohl schon sein, stellt man betroffen fest. Man sinkt so nicht entspannt in ein Nickerchen, man fällt eher in Trübsal und Anspannung.

Selbst wenn man, was allerdings unwahrscheinlich ist, diese Gefahr in den Griff bekommt, bleibt immer noch das Risiko, dass man klarerweise Zeit hat, dass man also tausend Termine machen und sogar wahrnehmen kann, und selbst dann, wenn es sich um die vermeintlich schönsten Termine handelt, auf die man nur kommen kann, so sind es doch einwandfrei Termine und man ist also dauernd beschäftigt – und wer beschäftigt ist, der hat ja nun einmal nicht frei, worum es doch eigentlich gehen sollte.

Ich vermute, was allerdings auf Jahre hinaus unbewiesen bleiben wird, dass ich diese Probleme in den Griff bekommen könnte, wenn ich ganz alleine wäre. Aber das bin ich nicht und es ist auch schon enorm lange her, dass ich einmal eine Woche alleine war, es ist eventuell sogar annähernd zwanzig Jahre her. Ich kann darüber also eigentlich gar nichts wissen.

Wir sind dennoch auch im Familienverbund den Gefahren halbwegs entgangen, da wir fast durchgehend im Garten waren. Das klingt nicht logisch, denn im Garten fallen einem eher noch mehr Projekte ein als zu Hause, es gibt noch viel mehr zu tun und die Vorhaben sind vielleicht sogar größer und erfordern auch noch Bauholz und große Werkzeuge und viele Hände, und Unkraut muss man auch noch jäten und das, was wachsen soll, das muss man wässern und pflegen und überhaupt besteht so ein Garten im Wesentlichen aus Tätigkeiten und dann kommen auch noch, was natürlich nett ist, Freunde vorbei, kurz, es ist alles eigentlich ähnlich wie zuhause – aber es macht irgendwie nichts, es ist sogar schön, weil man ja im Garten ist. Das ist schon der ganze Trick. Man besieht sich zwischendurch ein Hummelchen auf einer Blüte, die heranreifenden Äpfelchen und den blühenden Lavendel, man spürt einen Effekt, den es auf dem Sofa so nicht geben kann, ganz egal, was in der Vase auf dem Wohnzimmertisch steht. Es ist im Garten, und alles ist anders.

Faszinierend ist am Rande auch, dass eine Woche im Schrebergarten jetzt unter Privileg fällt. Es ist gar nicht lange her, da war eine Woche Sommerurlaub in der Laube der Inbegriff der kleinkarierten Spießigkeit und des eher unangenehmen Deutschtums, da konnte man da höchstens ironisch drüber lächeln, also bestenfalls so halbwegs milde. Jetzt aber hat man einen Kleingarten, wie andere einen Mercedes. Nanu.

Währenddessen wurde der Wetterbericht für die Woche auf Eiderstedt immer schlechter. Er übersprang den August, den September und den Oktober und versprach schließlich einen Landaufenthalt im tiefsten November. Wir stellten uns darauf ein. Also ich jedenfalls. Die Herzdame haderte tagesfüllend.

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Links am Morgen

Das Problem mit den Leuten, die jetzt nicht mehr Mallorca verwüsten, sondern etwa die Schweiz. Das fällt aber natürlich auch in anderen Ländern auf.

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Bis zu 4000 Bäume werden im Stadtgebiet Frankfurt gefällt werden müssen

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Währenddessen in Brandenburg. Via Papaleaks auf Twitter.

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Julian Bream ist gestorben. Hier spielt er ganz kurz. Was man auf einer Party eben so spielt.


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Für den Freundeskreis Insel: Stefan war auf Helgoland und hat gefilmt und fotografiert.

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Ich habe das Hörbuch “Die Muscheln des Monsieur Chabre” gehört, gelesen von Michael Rotschopf, eine kurze Erzählung von Zola. Sie war wesentlich amüsanter, als ich es von Zola je erwartet hätte und enthält unter anderem die wunderschöne Beleidigung: “Sein Gesicht war flach und banal wie ein Bürgersteig.” Da lohnt sich das Hören/Lesen doch. 

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Neulich gab es auf Twitter eine Frage zu Radiosendern, ich finde sie gerade nicht wieder, aber in den Antworten wurde jedenfalls Djam Radio empfohlen, The eclectic French radio. Und es ist so: Beste Autobahnmusik seit langer Zeit. Ein Genuss. Oder wie ein Sohn sagte: “Können wir jetzt bitte wieder meine Playlist hören?”

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Neu auf der Liste dringend zu lesender Bücher.

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