Was Konsens ist

Ich war auf einer Veranstaltung des Auschwitz-Komitees anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945: “Gemeinsam gegen den Hass”. Das war eine Podiumsdiskussion unter dem Motto “Erinnern heißt handeln”, mit Esther Bejarano, Regula Venske und anderen. Ich komme später noch darauf, wer da noch war, ich habe viel mitgeschrieben, aber es passt nicht alles in einen Blogeintrag, es passt auch nicht alles in einen Tag.

Es gab da vor der Veranstaltung einen kleinen Skandal in der Stadt, denn die Hamburger Hochbahn (= U-Bahn) wollte die Werbeplakate dafür, anders als in den Vorjahren, nicht mehr aufhängen, weil es für diese Veranstaltung keinen parteiübergreifenden Konsens gab. Darüber könnte man lange nachdenken und diskutieren, es eröffnen sich schon nach wenigen Gedankengängen immer mehr Unwägbarkeiten und man kommt auf immer mehr Einwände – man kann aber auch, wie Esther Bejarano, diesen Ansatz kurz mit “Die ticken doch nicht ganz richtig” zusammenfassen. Aber so wirken sich eben gewisse Parteien und Diskussionen auch in dieser Stadt aus, wir wollen das nicht übersehen. Der Skandal wurde dann noch geklärt, man hat sich auf höchster Ebene gerade noch auf genügend Konsens in Hamburg geeinigt, um Gedenkveranstaltungen dieser Art bewerben zu können.

Mit dieser Erzählung fing der Nachmittag an. Wie gesagt, in Kürze mehr dazu, ich berichte hier so nach und nach.

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Ich treibe das im letzten Beitrag angesprochene Aufräumen jetzt noch weiter und sehe auch Online- Ablagen durch, etwa Twitter, wo ich schon seit etlichen Jahren dauernd irgendwas schreibe. Vielleicht will ich davon ja gar nicht alles behalten? Ich lese also rückwärts – und es passiert Merkwürdiges. Es gibt da Tweets, etwa aus dem letzten Winter, bei denen würde ich wetten, sie sind aus diesem Winter. Also nicht im Sinne eines vagen Verdachts, eher mit einem ganz sicheren Gefühl, das war doch gerade erst, das ist doch frisch. Eine seltsame Verzerrung der Erinnerung, bei Blogtexten habe ich das nicht. Wie das wohl kommt?

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Bei der GLS Bank habe ich etwas zum Thema Flut und steigende Meere zusammengestellt.

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Über verschwindende Läden, das hatten wir ja neulich auch hier im Blog.

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Über Marie Kondo (da ist sie schon wieder) und sinnloses Shopping.

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Das hier ist wegen des geschichtlichen Bogens bemerkenswert, man muss sich nur mal kurz daran erinnern, wie die allerersten Grünen in den Bundestag einzogen, noch mit den Topfblumen dabei, das war sehr damals, in einem ganz anderen Land, in einer anderen Zeit, 1983 war das. Und jetzt, wenn man das wieder vor Auge hat, das hier: Bonn will sich Biostadt nennen.

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Musik! Sinatra mit Moonlight in Vermont in einer großartigen Aufnahme.


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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Die schlechte Laune des Januarfebruarmärz

Ich möchte etwas zu dieser Netflixaufräumserie sagen, über die gerade alle reden. Wobei ich erwähnen muss, dass ich die überhaupt nicht gesehen habe, aber es wurde über sie so dermaßen viel gesagt und geschrieben, es haben so dermaßen viele Menschen Statements zu ihrem eigenen Aufräumverhalten abgegeben, es kommt mir gerade so vor, als hätte ich sie gesehen.

Wir haben hier die aufgeräumteste Wohnung, die man sich nur denken kann, everything sparks joy und so, denn ein Sohn hat gerade eine Abstellkammer als Rückzugsraum bezogen, die wir für diesen Zweck erst einmal leer räumen mussten. Die Abstellkammer ist sehr groß, sie ist eigentlich eher eine Art Abstellsaal, und sie war auch sehr voll. Sie war der stets vollgemüllte Abgrund dieser Wohnung, der Hort des Verdrängten, von diesem Abgrund aus griff dann das große Aufräumen auch auf alle anderen Räume über. Wir haben hier also enorm viele Dinge und Dingelchen bewegt, sortiert, weggeworfen, verkauft, das hat den ganzen Dezember bestimmt, die langen Winterabende, Sie wissen schon. Die Herzdame hat, um nur ein Beispiel zu nennen, etwa fünf Abende damit verbracht, Playmobilkleinteile zu sortieren, Sets nach Jahren der intensiven Nutzung wieder fertig zusammenzubauen und schließlich verkaufsfertig zu machen, eine völlig irre Arbeit. Aber es ist tatsächlich alles vollbracht. Das war so einer dieser Großpläne, die man lange, lange vor sich herschiebt, der ist jetzt nach Jahren der eleganten Verdrängung endlich durch und komplett erledigt. Wir könnten uns jetzt etwas anderes in der Art vornehmen, ein Haus bauen oder so.

Und das ist auch alles recht schön so, es ist befreiend und ein wenig belebend, wenn man das Ziel der perfekten und stets nur vage angepeilten Ordnung tatsächlich einmal zu hundert Prozent erreicht. Man muss aber einige Menschen sicher auch warnen, so etwas zu veranstalten. Denn eine bewältigte Aufgabe dieser Größenordnung, die auch noch ein für jeden sofort sichtbares Ergebnis hat, die hat fast unweigerlich einen gewissen Druck zur Folge. Man setzt sich nach getaner Arbeit in die aufgeräumteste Wohnung aller Zeiten, man setzt sich aufs eigene Sofa und damit mitten hinein in einen Idealzustand – und dann muss man auf jeden Fall das handlungseinleitende “So” vermeiden. Denn der ungewohnte Zustand der Wohnung legt nachdrücklich nahe, dass jetzt noch mehr anders wird, die unordentliche Gefühlslage etwa oder der Alltag, es fühlt sich alles ganz so an, als könne jetzt sofort etwas losgehen oder eintreten.

Das aber ist natürlich nicht der Fall, und damit muss man umgehen können. Man hat eben einfach nur aufgeräumt, esoterischer wird es nicht und weitere Offenbarungen bleiben mit großer Sicherheit aus. Man wird kein anderer Mensch, ein besserer schon gleich gar nicht. Man sitzt und guckt und staunt, Ende der Geschichte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann haben sie wieder Unordnung gemacht. Oder einfach nur Abendbrot, was ja ganz ähnlich ist.

Für mich war dieser Erwartungsdruck aber sowieso kein Problem, denn ich bin im Januarfebruarmärz wegen des nach Weihnachten schlagartig sinnlos gewordenen Winters traditionell schlecht gelaunt, mich erschüttert gerade gar nichts, auch keine Hoffnung auf ein anderes Leben durch eine neue Lagerungsart der Socken. Meine Stimmung ist stabil grau, dem ersten Quartal angemessen und auf eine saisonal korrekte Art dunkel, das ist gut für das seelische Immunsystem und schützt vor jeglichem Erwartungsklimbim. January expects that every man will do his duty.

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Bei diesem Hacker- oder Doxing-Skandal da gerade, ist Ihnen auch aufgefallen, wie viele Kommentatorinnen und Kommentatoren den Täter beleidigt haben? Und zwar durch die Bank beleidigt im Sinne einer Herabsetzung aufgrund seines Alters und seiner Wohnsituation, irgendwo wurde er sogar mehrfach als “Bübchen” bezeichnet. Der Mann ist zwanzig Jahre alt, die Bezeichnung scheint mir ziemlich abwegig. Ich habe den leisen Verdacht, dass da die alternde Gesellschaft reflexhaft einen jungen Menschen beleidigt. Wie alt muss man denn neuerdings wohl werden, um kein Bübchen mehr zu sein? Dreißig? Das ist dann verdammt eine lange Pubertät.

Oder ist das nur die Enttäuschung in den Redaktionen, dass es keine noch größere Story ist, eine mit deutlich mehr Kawumm, also mit dem russischen Geheimdienst und der Mafia und natürlich China und allem und scharf? Es war aber nur ein womöglich rechtsdrehendes Bübchen. Mich stört diese Wortwahl sehr, sie ist irreführend.

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Ich habe neulich auf Twitter nach neue Blogs gefragt, die Resonanz war nahezu inexistent. Die Frage bleibt für mich aber interessant, deswegen wiederhole ich die Bitte hier. Wenn Sie neue Blogs kennen, Gründungsjahr 2018 oder so, die Sie auf die eine oder andere Art bemerkenswert finden, dann schreiben Sie doch bitte einen Kommentar mit Link. Ich möchte gerne ein paar Neuzugänge lesen.

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Der Spieler

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Der Überkanzler hat ausgedient

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Texte über die Probleme beim Spiegel kann vermutlich schon keiner mehr sehen, aber einer geht noch, nämlich der hier über das Wahrscheinliche in der Erzählung. Oder in der Reportage.

Recht weit oben im Text steht eine Definition der Literatur, danach erkennt man Literatur an ihrer Selbstreferentialität und an ihrer Mehrdeutigkeit. Ich möchte dazu bekennen: Das sagt mir auch nach längerem Nachdenken nichts. Die Schlussfolgerung des Textes im letzten Absatz allerdings, die finde ich wichtig und auch naheliegend.

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Ich war mit der Herzdame auf dem Neujahrsempfang der Grünen im Hamburger Rathaus, in dem es sehr schöne Säle mit sehr schlechter Akustik gibt, noch schlechter sogar als im Dom der Hamburger Katholiken, und das will wirklich etwas heißen. Es wurden Reden geredet, von denen ich so gut wie nichts verstanden habe, aber um die Reden geht es den meisten bei so etwas ja eh nicht, es geht eher um das Soziale.

Mein Höhepunkt des Sozialen war dann, als ich kurz neben dem Hamburger Ersten Bürgermeister stand und wir beide zusahen, wie die Herzdame mit einem anderen Mann  tanzte, wozu er, also der Bürgermeister, nach ein paar Sekunden “Oha” bemerkte. Ich nickte, und das war erst einmal mein Smalltalk-Highlight des Jahres, bitte sehr, stets bemüht. Für seine treffende Bemerkung gab es übrigens auch allen Grund, denn die Herzdame tanzte Shag.

Tänze kamen hier lange nicht vor, deswegen kurz zur Erinnerung, Shag ist so etwas hier:

Man erkennt es vielleicht, Shag hat eine solch unfassbare Geschwindigkeit, ein durchschnittlicher Büromensch muss bereits nach etwa zwanzig Schritten wiederbelebt werden. Es ist aber auch einer der lustigsten Tänze überhaupt. Wenn Sie mal die Chance auf einen Shag-Einsteiger-Workshop haben, gehen Sie da unbedingt hin, das ist ein Erlebnis. Der Muskelkater hinterher ist allerdings eventuell der erste im Leben, bei dem Sie sich krankschreiben lassen möchten. 

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12 von 12 im Januar

Die anderen Bloggerinnen und Blogger mit 12 von 12 wie immer hier.

Der Tag beginnt wie immer, ich trinke Solokaffee, der Rest der Familie schläft noch. Und das ist gut so.

 

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Das nächste Bild täuscht, so blau ist der Himmel gar nicht. Ich spiele mit einer neuen Foto-App herum, VSCO nicht unähnlich: MuseCam.

 

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Ich wende mich mit Grauen vom Fenster ab und starre Blumen an, die ich gestern der Herzdame mitgebracht habe. Also formal gesehen habe ich sie ihr mitgebracht, in Wahrheit wollte ich die haben, Frühlingssehnsucht und so.

 

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Ich lese weiter in “Die Welt im Selfie”, das mir nach wir vor großen Spaß macht.

 

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Unsere Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben, wir haben uns jetzt dieses Bialettidings besorgt, das nimmt weniger Platz weg. Wir beschäftigen uns längere Zeit damit, weil uns die Vorkenntnisse fehlen, so ein Ding hatten wir bisher noch nicht im Haushalt. Wir kennen nur die zahlreichen mehr oder weniger lustigen Geschichten von Bekannten und Freunden, denen die Kannen um die Ohren geflogen sind. Dadurch gewinnt der Kaffeegenuss eine etwas spannende Note, auch recht, es soll ja ein belebender Genuss sein.

 

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Wir verbringen danach unfassbar viel Zeit mit der Frage, wer heute was wann mit wem und wo macht, Familienlogistik in überraschend kompliziert. Ich habe manchmal den Eindruck, wir könnten das auch von Sonneauf- bis Sonnenuntergang besprechen, wobei natürlich im Januar gar nicht allzu viel Zeit dazwischen liegt, hier im Norden.

Ungeachtet aller besonderen Umstände und Unwägbarkeiten und zahllosen Möglichkeiten und Pläne muss aber immer jemand einkaufen gehen, das bin routinemäßig ich. In den Blogs und Timelines geht es gerade wieder überall um die Aufteilung der Arbeiten bei Paaren, wir sind da ja die Exoten, die fast alles rabiat und strikt eingeteilt haben, ich gehe also einkaufen, sie nicht. Kategorisch. Wir fragen uns kurz, ob es wohl daran liegt, dass wir uns so gut wie nie über unsere Aufteilung streiten, ergänzen dann aber sinnigerweise noch, dass es entscheidend auch daran liegt, dass wir beide nicht Vollzeit arbeiten. Also irgendwie schon, aber eben nicht in nur einem Job, bei uns ist alles etwas flexibler und oft in Bewegung. Das wird es wohl sein, das nimmt viel Druck aus dem Thema.

Wenn Sie sich also dauernd mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin darüber streiten, wer wann was im Haushalt macht, gehen Sie einfach beide auf sechs Stunden runter, das vereinfacht so manches, auch diese Diskussion. Und ja, dann hat man womöglich weniger Geld, es ist eben eine Frage der Prioritäten im Leben.

Ich latsche jedenfalls pflichtgemäß durch den endlosen Regen, der jeglichen Tag regnet. Vorbei an Dekoschafen aus Plastik, das sind hier so die Naturerlebnisse, wir haben ja nichts.

 

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Beim Einkaufen treffe ich erfreulicherweise den halben Stadtteil, Smalltalk an jedem Regal. Denn gerade bei diesem Wetter muss man nett zueinander sein, alte Regel.

 

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Das Wetter bleibt währenddessen etwas herausfordernd.

 

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Weswegen ich mich heiligen Pflichten widme, etwa dem Mittagsschlaf.

 

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Wobei mich der Anruf eines Sohnes stört, der beim Parkour etwas sehr ungebremst auf den Boden geknallt ist und verletzt aus der Halle abgeholt werden muss. Na, so habe ich wenigstens auch noch etwas Bewegung und radele am bekannten Nachrichten- und Geschichtenmagazin vorbei.

 

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Dem Kind geht es kurz darauf schon wieder besser, ich bereite das Abendessen vor, es gibt Entensuppe, die gefrorenen Reste von Weihnachten müssen weg.

Um mich auf den Abend vorzubereiten, wir gehen noch auf eine Party, esse ich von lustigem Kindergeschirr. Mal sehen, ob es wirkt!

 

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Und das 12. Bild ist wie immer gar keines, das 12. Bild ist die Musik. Maxine Sullivan mit 75. Was schön! Scott Hamilton am Saxophon.

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Hälften, Viertel und Drittel

Hier ein Link für alle Menschen in Bullshit-Jobs, in meinen Timelines gab es da gerade einige Selbstbezichtigungen – hätte man doch bloß rechtzeitig alles hingeschmissen und Heu gemacht!

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Eckensteher auf Zeit

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Die Zukunft der Krankschreibung

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In Hamburg gibt es jetzt auch einen Kältebus und man kann eine Telefonnummer speichern, die endlich auch richtig ist.

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Der Sohn auf dem Gymnasium hat jetzt Bruchrechnung in Mathe. Wissen Sie noch, wie Bruchrechnung geht, also auch abseits der pappeinfachen Einstiegsaufgaben? Ich werde es bald wieder wissen. Bruchrechnung ist allerdings etwas, dass mir definitiv nie wieder im Leben begegnet ist. Es gab zwar Hälften und Viertel und Drittel bei allem möglichen Zeug, aber gerechnet habe ich damit nicht. Ab und zu frage ich mich das ja bei dem Lernstoff. Und es ist damit das erste Thema in Mathe, bei dem ich das feststelle. Die Bruchrechnung stellt da jetzt also einen Bruch dar, wie ist es wieder passend.

Bis dahin war tatsächlich alles sehr alltagstauglich. Immerhin! Ich hebe hier nicht auf eine Polemik gegen Lehrpläne ab, schon gar nicht gegen Mathe, ich habe auch Wissen aus Bio und anderen Fächern nie wieder im Leben gebraucht. Nicht ein Mensch fragte mich je nach dem Ablauf der Photosynthese, nach der Einteilung der Wirbeltiere oder nach der genauen Entstehungszeit der Bibel oder des Egmonts, aber das ist schon okay. Breite Bildung und so.

Viel spannender finde ich die Frage, ob das, was man braucht, oder was ich glaube zu brauchen, in der Schule vorkommt. In Mathe ist das heute eindeutig mehr der Fall als früher, die Kinder schätzen etwa viel mehr. Schätzen braucht man wirklich oft im Leben, auch überschlägiges Rechnen braucht man. Das gab es in meiner Schulzeit gar nicht, auf der Grundschule und auf den Gymnasien gibt es das jetzt, das finde ich gut. Wenn jetzt noch Schätzungen mit Prozentrechnung verbunden werden, dann sind die Kinder schon nachrichtenkompetenter als viele Erwachsene, jedenfalls was die Zahlen angeht.

Und dann noch den Dreisatz und etwas Stochastik, mehr brauchen eigentlich nur Ingenieure und Banker (okay, das ist eine leicht vereinfachte Darstellung).

Na, erst einmal werde ich jetzt mit diesem Lego-Erklärdings arbeiten, da komme ich wenigstens noch mit.

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Musik! Heute etwas spezieller, man muss sich einlassen. Es klingt betont januarlich, klingt es nicht? Es ist aber auch schön zu sehen, wie ernst die da bei der Sache sind.

 

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Ein Buchtipp

 

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(Ein Text von Jojo, elf Jahre alt, auch bekannt als Sohn I)

Rob Lloyd Jones: “Jake Turner und das Grab der Smaragdschlange”, übersetzt von Birgit Nienhaus.

Es geht um die Familie Turner, die Eltern lieben das alte Ägypten. Der Sohn Jake, um den es eigentlich geht, ist nicht gerade der schlauste Typ auf der Welt. Seine Schwester Pandora, genannt Pan, ist dagegen ein As in so ziemlich jedem Fach. In der Familie gibt es regelmäßig Zoff. Jake klaut gerne, er hat da einen Drang, der ist stärker als er. Er schwört nach jedem Diebstahl,, es nie mehr zu tun, aber er macht es wieder und wieder. Die Familie Turner startet eine Reise nach Ägypten, aber als sie auf ihren Flug warten, gibt der Vater Jake ein wenig Geld, damit der sich im Flughafen ein neues T-Shirt kaufen kann, weil er sich so langweilt. Jake nutzt das aus, um in den nächsten Technikshop zu gehen, wo er ein iPad klaut. Dann beginnt eine Verfolgungsjagd, während der auf dem iPad plötzlich ein Gesicht erscheint … den Rest muss man dann selbst lesen, aus Spannungsgründen.

Nach Ägypten schaffen sie es dann jedenfalls noch, wo die Eltern merken, dass Jake ein iPad gestohlen hat, aber bevor sie sich zu sehr darüber aufregen können, verschwinden die Eltern, und mehr kann man wirklich nicht verraten. Obwohl es in Ägypten spielt, ist es kein Fantasy-Buch mit lebendigen Göttern oder so.

Das Buch ist für die Altersklasse um neun Jahre herum, es ist sehr, sehr spannend. Und es ist schade, dass es keinen zweiten Band gibt.

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Das Lachen des Jokers und Momente der Fremdheit

Ich habe weiter in “Die Welt im Selfie” von Marco d’Eramo gelesen, wo ich eine Stelle gefunden habe, die mich jetzt vor einer falschen Darstellung bewahrt, das fand ich gut und lehrreich.

Um das zu erklären, muss ich etwas unvermittelt mal eben zurück zur nach wie vor nicht fertig erzählten Wanderung mit Sohn II an der Ostsee, zum mittlerweile dritten Tag. Wir sind, da war ich vor ein paar Wochen stehen geblieben, von Sierksdorf nach Hamburg zurückgefahren und ich habe etwas vergessen, das kommt davon, wenn man nicht schnell genug erzählt. Aber der Arm, Sie wissen schon.

Als wir jedenfalls abends in Hamburg ankamen, stand vor einem der U-Bahneingänge am Hauptbahnhof ein größeres Aufgebot der Feuerwehr. Große und kleine Wagen, Sanitäter, Menschen mit Funkgeräten. Und auf der anderen Straßenseite, vor dem anderen U-Bahnausgang, da stand ein größeres Aufgebot der Polizei. Passanten blieben stehen und guckten, ich zog den Sohn mühsam weiter, denn so ist das mit dem Erziehungsauftrag, man muss dann auch seine eigene Neugier in den Griff bekommen. Mehr war auch gar nicht zu sehen, hier die Feuerwehr, dort die Polizei, und die standen da alle so herum, mehr gab das Bild nicht her – es war nur noch etwas zu hören. Aus dem U-Bahnschacht hörte man ein lautes Lachen, aber nicht in der gesunden, fröhlichen Art, eher in der Art des Jokers bei Batman, das Lachen des bösartigen Wahnsinns. Der Sohn und ich, wir sahen uns an und uns war gerade gar nicht nach Großstadt zumute, wir hätten viel lieber wieder an der dunklen, ruhigen Ostsee gestanden wie am Abend davor.

Am nächsten Morgen fuhren wir, wie bereits erwähnt, gleich wieder los. Sogar das Frühstück gab es im Zug, weil der Sohn mit dem Meer noch nicht fertig war und es eilig hatte. Wir sind in Travemünde ausgestiegen und gleich wieder zum Strand gegangen, im Falle des Sohnes eher gerannt. Es war immer noch heiß, es war unfassbar heiß, es waren die heißesten Tage eines heißen Sommers. so heiß war es. Der Sohn ging sofort baden, mit Anlauf auf den Steg und in weitem Sprung rein, er hatte schon auf dem Weg alle Klamotten von sich geworfen, die ich hinter ihm aufsammelte. Er blieb auch erst einmal eine ganze Weile in der Ostsee, und das Bild des vollkommen glücklich schwimmenden und tauchenden Sohnes, das werde ich mir vom Sommer 2018 hoffentlich bewahren. 

Dann gingen wir langsam nach Norden zum Steilufer, denn da wollte er unbedingt noch einmal hin, die Steilküste hatte ihn beim ersten Besuch beeindruckt. In Travemünde gibt es ein dreifach gestaffeltes Stranderlebnis, wenn man nach Norden geht. Erst kommt der breite Sandstrand vor dem Maritim-Hotel, das ist der, den alle meinen, wenn sie vom Strand reden. Das ist also der mit den Strandkörben und den Burgen, das ist auch traditionell der mit den Familien. Der wird immer schmaler und schmaler, dann ist er auf einmal weg, es ist kein Sand mehr da und direkt am Meer entlang verläuft nun eine steinerne Promenade, unzählige Findlinge liegen als Wellenbrecher davor. Auf der anderen Seite der Promenade die Liegewiese. Darauf sind keine Strandkörbe, darauf liegen die Menschen einfach auf mitgebrachten und sehr bunten Handtüchern und außerdem auf etwas, das am Anfang dieses Sommers mutmaßlich einmal grünes Gras gewesen ist. Nach dem langen Stück mit der Liegewiese kommt das Steilufer, kommt Wildwest, kommt FKK und Hundestrand und Lagerfeuer und Hippies, kommt das ungeregelte Leben und irgendwann dann Niendorf, aber das dauert etwas. Auf dem Sandstrand zahlt man Kurkarte und Strandkorb, auf der Liegewiese nur die Kurkarte – oder wie immer sie heute gerade heißt – , am Steilufer zahlt kein Mensch mehr irgendwas.

Das war damals so, als ich noch da lebte, das ist heute auch noch so. Und doch ist es anders. Ich nehme einmal an, ich habe keine absurde Ausnahmesituation gesehen, aber genau weiß ich es nicht. Nach diesem einen Tag zu urteilen ist jetzt so, dass der Liegewiesenabschnitt nahezu ausschließlich Gäste hat, die sich nach ihrer Herkunft gruppieren, Menschen mit türkischen, arabischen, indischen Familien liegen hier, und hinten auf dem Sand bei den Strandkörben, da liegen die Deutschen und die deutsch aussehenden Touristen. Ich fand den Anblick vollkommen absurd, die strikte Trennung sah aus wie inszeniert, was sie ja auch war, eine soziale Inszenierung. Das habe ich nicht gewusst, dass sich das da alles so streng in zwei Gruppen teilt, als sei das offiziell geregelt und angewiesen, was es natürlich nicht ist. Die Menschen scheinen für solche Trennungen gar keine  Regelungen zu brauchen, die machen das einfach so. Zumindest zwei, drei Generationen lang. 

Ich habe eine Spaziergängerin gesehen, der Hilde gar nicht unähnlich, die in meinem Buch über das Travemünde von damals vorkommt, eine Rentnerin, die da langsam entlang ging. Die stand da an der Liegewiese und guckte und vermutlich fiel ihr gerade auf, dass da nur Menschen lagen, die ihr fremd vorkamen. Ich konnte es auf ihrem Gesicht sehen, das Erstaunen, das genauer Hinsehen und Umsehen, dann ein leichtes Kopfschütteln, nach oben gezogene Augenbrauen. Mehr ist nicht passiert, da lagen einfach nur ganz normale Badegäste herum, da ging einfach nur jemand ganz normal spazieren und guckte, aber in einem Theaterstück oder Film zum Thema Fremdheit wäre das ein geeigneter und sinniger Moment als Symbolszene, im Gesicht einer guten Schauspielerin würde da einiges passieren.

Eine indische Dame fortgeschrittenen Alters, so eine Dame die auch deutlich nach Dame aussah, in betont würdevoller Haltung, löste sich von ihrer Familie, ging über die Promenade, auf einen Steg und ins Meer. Sie war traditionell bekleidet, also soweit ich das beurteilen kann, und sie ging langsam und in voller Montur geradeaus ins Wasser. Es gab kein Zögern und überhaupt keine sichtbare Regung auf ihrem Gesicht, während die jüngeren Verwandten umso aufgeregter um sie herum liefen und auf sie einredeten. als würde sie etwas höchst Ungehöriges tun. Sie war die Ruhe selbst, sie wirkte sehr bei sich und es war ein beeindruckender Anblick, wie sie da so langsam in ihren Kleidern in die Ostsee stieg, es sah feierlich und wunderschön aus.

Und hätte mich die oben erwähnte Stelle in “Die Welt im Selfie” nicht daran erinnert, dass es für viele Menschen in Indien keine Bademodenkultur gibt, sondern dass die Frauen, wenn überhaupt, im Sari ins Wasser gehen, ich hätte gedacht, die Dame dort, die sei ganz besonders cool für ihr Alter gewesen. Da einfach so im Kleid … ein starkes Stück.

Aber gut. Sie ging einfach nur baden. Wie andere auch. Denn das ist es, was sie alle in Travemünde machen. Was auch sonst.

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Fortsetzung hier

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Wanderlust

Wie der Gatte hier schon geschrieben hat, haben wir jetzt über die Feiertage die Netflix-Serie Wanderlust gesehen. Seit gefühlt 100 Jahren mal wieder Pärchen-Filmabende. Die Kinder haben wir aus dem Schlafzimmer ausgesperrt, ein Bierchen aufgemacht, uns im Arm gehalten und die Serie geschaut. Das war schön.

Der Serie selbst stehe ich etwas zwiegespalten gegenüber. Es geht um ein Ehepaar in einer langjährigen Beziehung, bei denen es im Bett nicht mehr so richtig gut läuft. Nachdem sie sich gegenseitig ihre Seitensprünge gestanden haben, stellen sie fest, dass sie keine Lust mehr auf einander haben, sich aber immer noch lieben und sich dann halt nur noch außerhalb der Ehe vergnügen wollen. Es läuft gut an, sie reden viel miteinander und sogar die Lust aufeinander kommt wieder.

Die Serie ist sehr dialoglastig und es wird viel über Bedürfnisse und Wünsche geredet, was mich etwas nachdenklich gestimmt hat. Auch wenn die Gesellschaft angeblich immer offener wird, über Sexualität und Fantasien wird bis heute noch nicht viel geredet. Vielleicht gibt es das anderswo, aber ich habe nur sehr wenige Freunde, mit denen ich wirklich offen darüber reden kann. In der Regel verstecken sich alle Gesprächspartner hinter billigen Sprüchen oder zerreißen sich das Maul darüber, wie x sich bloß von y flachlegen lassen konnte. Es geht fast immer nur um die andern und fast nie um einen selbst. Oder es gibt großes Schweigen.

Die Serie geht vor allem der Frage nach, ob eine offene Beziehung möglich ist. Das ist spannend und mutig und für mich das erste Mal, dass ich dieses Thema kritisch, aber ohne erhobenen Zeigefinger im Film wahrgenommen habe. Im Übrigen bin ich auch fest davon überzeugt, dass das Konzept „offene Beziehung“ funktioniert. Es traut sich nur niemand.

Die Serie oder zumindest diese Staffel kommt leider zu einem anderen Schluss, was ich dann doch nicht mehr so mutig finde. Schade, aber immerhin haben sie es versucht. Und leider ging auch das „miteinander reden“ nach ungefähr 2/3 der Staffel über in „viel zu viel reden“. Und auch den erwachsenen Kindern muss man ja nicht gleich alle Details seiner neu erwachten Lust auf die Nase binden, oder?

Alles in allem war die Serie super und im übrigen auch totkomisch, der Schluss aber ziemlich entbehrlich. Da die Serie allerdings auf einem Theaterstück basiert, kann sie vermutlich noch nicht mal etwas dafür.

Ich wäre jedenfalls sehr gespannt, wie eine zweite Staffel weitergehen könnte.

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Kurz und klein

Statt Djü ein Dööd

Ich mag den hier zitierten Satz von Harari.

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Cool to meet you.

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Ich sehe am Sonntagnachmittag aus dem Fenster auf den Spielplatz. Ein Spielplatz an einem norddeutschen Wintertag ist ein übel trostloser Anblick. Nasse, ungenutzte Spielgeräte in Farben, die bei Sonnenschein einmal fröhlich wirken sollten, das zieht einen fast unweigerlich runter, mit solchen Einstellungen fangen unfrohe Familienfilme an, das kennt man. Zwei kleine Lebewesen können diesen Anblick in einer Sekunde verändern. Ein einziges Eichhörnchen etwa, das da munter von Baum zu Baum turnt, reicht schon aus, um alles viel lebendiger und niedlich wirken zu lassen, mehr so naturfilmmäßig, parkartig. Ein einzelnes Kleinkind wiederum, das ist verlässlich der endgültige Stimmungsuntergang. Denn viel schlimmer als ein leerer Spielplatz im Nieselregen ist ein Spielplatz im Nieselregen mit nur einem einzigen Kind darauf, mit nur einem Kind, das sich lustlos auf die Schaukel setzt oder unmotiviert das Klettergerüst halb ersteigt, dann da einfach auf halber Höhe unmotiviert hängenbleibt und in die Gegend guckt. Ein einzelnes Kind auf einem Spielplatz wirkt aus der Ferne immer furchtbar deprimierend, alle Kindheitseinsamkeiten von damals steigen im Betrachter hoch, alle je erlebten Verlassenheiten, alles Trübe und Sinnlose. Geht das Kind durch eine Pfütze, weil Kinder nun einmal durch Pfützen gehen, ganz alte Regel, höre ich unweigerlich die Werbung von damals: “Wenn Ihr Kind häufig lustlos ist …”

Wobei der kleine Mensch auf dem Spielplatz dabei vielleicht bestens gelaunt ist, während er da in seiner Pfütze steht, das kann natürlich sein. Aber Bilder sind stark.

Im Gezweig der Büsche am Rand des Platzes sitzt, nanu, ein Dompfaff. Seit dem letzten Winter schon warte ich darauf, hier endlich mal eine andere Vogelart als Meise, Rotkehlchen, Taube, Eichelhäher, Möwe und Krähe zu sehen, nie war auch nur ein einziger weiterer Vogel vor dem Fenster. Jetzt aber endlich, da ist er, der Dompfaff. Ich habe seit Ewigkeiten keinen Dompfaff mehr gesehen, obwohl der in Deutschland gar nicht so selten ist, er kommt nur einfach bei uns nicht vor. Er braucht wohl Fichten, um sich wohl zu fühlen, sagt die Wikipedia. Ich überlege, wo hier die nächste Fichte steht, mir fällt keine ein, also abgesehen von den ruinierten Weihnachtsbäumen am Straßenrand, aber die stehen ja auch nicht. Ich gehe im Geiste den ganzen Stadtteil durch, nirgendwo steht eine Fichte, glaube ich. Wenn ich ein Dompfaff wäre, ich würde hier vermutlich auch nur durchreisen. Die Wikipedia sagt ferner, dass sich der Dompfaff durch die Form seiner Spermien von allen anderen Sperlingsarten unterscheidet. Die Information hilft mir nicht weiter, aber vermutlich merke ich mir das jetzt lebenslang, ich habe so eine Ahnung.

Die roten Federn des Dompfaffs leuchten wie unwirklich, der Vogel ist tatsächlich der einzige Farbfleck weit und breit, alles andere im Blickfeld ist schlammfarben, grau, schwarz, moderig, steinern, verblasst, verrottet, erdig. Wenn ich mich nicht an den Dompfaff in Lübeck erinnern könnte, der in meiner Kindheit ein ganz normaler und üblicher Vogel war, er würde mir jetzt wie ein abgefahren exotischer Vogel vorkommen, so bunt wie er wirkt, so ungewöhnlich und deplatziert, wie er da auf dem Zweig sitzt und auffällt wie ein Clown im Großraumbüro einer Versicherung.

Früher, so lese ich, früher wurde er oft im Hintergrund von Paradiesbildern dargestellt, warum auch immer. Vorne Adam und Eva, hinten der Vogel im Dickicht. Ein Garten Eden ist der Spielplatz vor meinem Fenster sicher nicht.

“Im Winter in Mitteleuropa einfliegende nordische Gimpel der Unterart P. p. pyrrhula lassen sich deutlich am Ruf von den hier brütenden Vögeln der Unterart P. p. europaea unterscheiden: Statt des weichen „djü“ erklingt ein „dööd“, welches stark an die doppelläufigen Spielzeugtröten aus Plastik erinnert.”

Statt djü ein dööd! Es gibt Tage, da möchte ich beruflich was mit Vogellauten machen, etwa im Park sitzen, lauschen und mitschreiben. Ich stelle mir vor, dass man eine lange Ausbildung braucht, um ein düdelö sicher und fachgerecht von einem tüdelüt zu unterscheiden, ich stelle mir vor, dass man mehrere Jahre des demütigen Lernens braucht, bevor man irgendwann allseits anerkannter Experte wird und dann vollkommen souverän vor interessiertem Publikum: “Das war ein düd” dozieren kann.

Aber ich ahne schon, davon könnte man auch wieder nicht leben.

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Der Januar ist für fast alles die falsche Zeit

Eine bemerkenswerte Reihe auf Instagram von National Geographic. Menschen und ihre Hausapotheke, hier ein sehr spezielles Beispiel.

 

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Ich lese gerade “Die Welt im Selfie – eine Besichtigung des touristischen Zeitalters” von Marco d*Eramo. Wenn Sie ab und zu mal reisen sollten (haha, natürlich tun Sie das), dann ist das Buch auch etwas für Sie, möchte ich meinen. Denn neben der historischen Herleitung des Tourismus geht es auch um die Dimensionen der Tourismusindustrie, an der Sie sich dann unweigerlich beteiligen, auch wenn Sie noch so individuell reisen. Es geht auch um die soziologische Dimension, es wird zwischendurch sogar philosophisch, ich möchte es als Lektüre empfehlen, nein, warum nicht gleich als Urlaubslektüre. Auf dem Cover steht: “Von Hegel bis Tripadvisor”, das ist doch mal ein schöner und vielversprechender Klappentext.

Ich habe während der Lektüre nebenbei mit der Herzdame und den Söhnen die Urlaubsplanung 2019 diskutiert, was mich dauernd in Versuchung brachte, aus dem Buch seitenlang vorzulesen. Ich habe dem erfolgreich widerstanden, aber es war schwer. Ich komme auf das Buch sicher noch einmal zurück.

Es wurde nebenbei ein Südtirolbeschluss gefasst.

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Wir haben die Wohnung gründlich entweihnachtet, morgen fängt die Schule wieder an, es folgen acht Wochen Normalität. Also theoretisch, irgendwas ist ja immer.

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In einem Kommentar zum letzten Beitrag wurde ich gefragt, wie ich zur Silvesterböllerei stehe. Da muss ich mit einem Umstand anfangen, der ziemlich eindeutig nicht mehrheitsfähig ist, ich gehöre nämlich einer Minderheit an, und zwar der kleinen, kleinen Minderheit, die Feuerwerk gar nicht besonders schön findet, sondern eher vonne Ästhetik her bestenfalls so mittel und ansonsten entbehrlich und lästig. Auch zu Silvester. Das liegt ein wenig mit daran, dass ich in einer ungewöhnlich feuerwerksreichen Gegend wohne und mir die dämliche Ruhestörung mit Leuchteffekt jahrelang so dermaßen oft die gerade eingeschlafenen Kinder geweckt hat, die dann wieder stundenlang fröhlich zur Unzeit um mich herumsprangen, es war wirklich nachhaltig nervtötend.

Mir wäre es daher vollkommen egal, wenn man es verbieten sollte, dass der gemeine Privatmensch tonnenweise Zeug in die Luft jagt, ich würde das nicht bedauern. Die Kinder sehen das natürlich etwas anders, die Kinder finden Feuerwerk eher toll, wie wir es alle als Kind toll gefunden haben, nehme ich an.

Sie haben aber andererseits die Nachrichten zu Umweltschäden, Gefahren und Feinstaub etc. aufmerksam verfolgt – die wohl noch nie so umfangreich waren wie in diesem Jahr – und danach erstmal freiwillig nur geringste Mengen Feuerwerk gekauft und dann nachts noch diskutiert, ob das Zusehen nicht eigentlich auch reichen würde, ob das eigene Zündeln sie nicht sogar vom entspannten Zusehen abhält. Wenn diese Kinder die Zukunft sind: Läuft.

Allerdings halten kindliche Beschlusslagen selten lange, schon klar. Ich fand es dennoch erfreulich.

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Im Garten gewesen. Die Vegetation denkt bei lauschigen sieben Grad und freundlicher Feuchtigkeit überhaupt nicht an Pause, zumindest die eher nicht so willkommenen Pflanzen wuchern wild vor sich hin. Magnolie, Pfirsich, Pflaume, Kirsche knospen bemüht, Ringelblumen blühen durch, der Grünkohl steht in aller Pracht, aber nicht mehr lange. Der Kompost sieht schwarz und zum Anbeißen aus, wenn Sie keinen Garten haben, dann müssen Sie das nicht verstehen.

Man müsste sehr vieles machen, jede Ecke sieht nach Arbeit aus, aber der Januar ist für fast alles die falsche Zeit. Meinetwegen kann es Frühling werden.

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Musik! Kevin Morby.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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